Freitag, 23. April 2010

Krumme Antworten auf nagende Fragen

Ich glaub ich hab meine Tastatur verlegt. Versuch einer Ausrede für nicht geschriebene Blogeinträge. Schlechter Versuch, aber immerhin. Ausreden werden gerne von jenen gehört, die belogen werden wollen. Sie freuen sich, dass es einen - wenngleich unplausiblen - Grund gibt, der das Warum-Loch in ihrer Geschichte stopft. Welche Geschichte? Die Geschichte, die sie aus allem erlebten zur subjektiven Lebensgeschichte zusammenfügen. Wie Perlen werden Interpretationen des Erlebten auf einen vermeintlichen roten Faden aufgefädelt.
Der eine oder andere Film und viele Bücher werfen Fragen auf, die sie nicht auflösen. Für viele ist das ein Graus. Sie erwarten das sich am Ende alles in Wohlgefallen auflöst. Um es allen recht zu machen werden eigentlich gute Geschichten am Ende all ihrer Mysterien beraubt und mit pseudowissenschaftlichen Banalitäten abgeschlossen. Ein gutes Beispiel wäre da eine von mir verfolgte Fernsehserie, bei der auf einer einsamen Insel gestrandete Menschen immer hanebüchenere Dinge erleben. Die Geschichte ist ein Füllhorn der Ungereimtheiten, führt den Zuschauer aufs Glatteis und somit in ihren Bann. In der letzten Staffel soll alles aufgelöst werden. Ich hab keine Ahnung wie es ausgehen wird, aber ich fürchte die schönsten Mysterien der Geschichte werden dem Wunsch nach logischer Harmonie geopfert. Ein aufgelöstes Mysterium ist aber keins mehr. Wie langweilig. Ich weiß noch nicht, ob ich mir den Schluss der Fernsehserie anschauen oder mir selbst ausdenken werde.
Zu akzeptieren, dass man mal nicht weiß warum ist für viele schwierig. Es bringt Disharmonie in die eigene Geschichte. Ich bringe es oft nicht übers Herz andere mit Warums beladen ziehen zu lassen. Ich gebe ihnen eine Ausrede mit und alles wird gut. Lieber eine krumme Antwort als eine nagende Frage. Und meine eigenen Warums? Ausreden funktionieren auch mit mir selbst, sie sind die kleinen Bausteine einer schönen Lebenslüge. Wer gute Ausreden braucht kann sich gerne bei mir melden. Lebenslügen sind mein Metier.

Mittwoch, 24. März 2010

Nutzlos aufgerissener Arsch


Mit meinem Vorhaben das größte Loch der Welt zu graben - oder besser gesagt graben zu lassen - hab ich eine ganze Menge Gegner des Großwahnprojektes Stuttgart21 kennengelernt. Der eine oder andere liebäugelt sogar mit der LOCH21-Idee. Kein Wunder: Mein Großwahnprojekt ist glamouröser als das der Bahn und ihrer Kumpels. Und wenn schon gebaut wird, dann richtig.

Hoffnungsloser Kampfeswille
Gestern fragt mich doch einer, ob ich eigentlich glaube dass man S21 noch aufhalten könne. Als LOCH21-Aktivistin sprang mir ein entschlossenes Ja förmlich auf die Zunge, aber da ich mir den gut geschmierten Apparat anschaute, der hinter S21 steht, kamen mir da so die Zweifel. Nein. In einem spontanen Anfall von Ehrlichkeit hab ich dann doch einfach Nein gesagt. Warum ich mir dann den Arsch so aufreiße wollte der andere wissen. Hoffnungsloser Pessimismus ist eigentlich nicht mein Metier, drum verunsicherte mich die berechtigte Frage erst mal. Ist nicht bedingungsloser Glaube, wenn auch irrationaler, der beste Motor? Wie will man einen Kampf kämpfen, wenn man den Sieg nicht im Kopf hat? Ein Blick in mein Samuraihandbuch, dass ich in Kampfsituation gerne konsultiere, machte mich auch nicht schlauer. Vielleicht sollte ich meine Definition von Sieg mal hinterfragen.

Wer zahlt bestimmt.
Wird S21 aufgehalten, dann ist ja alles gut. Doch was wenn nicht? Stuttgart wird sich ändern. Einiges wird wegfallen: Bäume, Wagenhallen und viele andere Dinge, die wir lieb gewonnen haben. Dafür entsteht viel neuer Platz. Und dieser wird natürlich meistbietend von der Bahn verkauft. Wer wissen will, wie Stuttgart mit neuen Flächen umgeht darf gerne mal einen Ausflug machen und sich vom Charme des Pariser Platzes überzeugen. Stuttgart wird neu gestaltet. Doch von wem? Wie immer: von dem der das Geld in der Tasche hat. Und wer vertritt eigentlich den Willen der Bürger, die letztendlich die Kosten durch ihre Steuern tragen und mit der Baustelle leben müssen? Eine demokratisch gewählte Regierung. Und die hofft, dass bis zur nächsten Wahl alles vergessen und verdrängt ist. Das wird ihnen gelingen, wenn der Bau von Stuttgart21 reibungslos von statten geht. Die meisten werden vergessen haben, dass es viele schlaue Alternativen gab, die einfach unter den Teppich gekehrt wurden. "Wer hätte den ahnen können, dass das Ganze so schlimm wird?" werden einige fragen und es liegt an uns Ross und Reiter zu nennen.

Getriebesand gegen Verdeckungsteppiche
Wenn wir Sand ins Getriebe werfen und den Teppich lüpfen können wir Stuttgart 21 vielleicht nicht verhindern. Aber eines werden wir schaffen: Bewusstsein. Bewusstsein dafür, wer uns die Scheiße eingebrockt hat. Und wenn Politiker um ihre Wähler bangen werden sie hellhörig. "Stuttgart ist unsere Stadt. Wir gestalten unsere Zukunft selbst!" werden sie es rufen hören. Stopp. Ich werde schon wieder überschwänglich. Na und? Ich hab immerhin einen guten Grund für zuvor erwähntes Arschaufreißen gefunden. Würde jeder, der nicht an die Aufhaltbarkeit von S21 glaubt zu Hause bleiben und den Mund halten hätten wir bald Stuttgart22: Die Tieferlegung des Flughafens.

Dienstag, 9. März 2010

Glamouröses Loch

So wie ich es verstanden habe funktioniert das mit der Wirtschaft so, dass es immer wichtig ist Geld auszugeben, dass man nicht hat. Man leiht es von Banken, die es wiederum von anderen leihen und dann gibt es noch jene, die das ganze versichern und andere, die darüber wetten, ob es zurückgezahlt werden kann oder eher nicht so. Ziel solcher Konstrukte ist es, so kompliziert zu sein, dass keiner kapiert wo das Geld eigentlich herkommt und ob es überhaupt existiert. Da ja kein echtes Geld durch die Gegend gekarrt wird – ist ja heute alles virtuell – kann man da auch nicht mehr genau nachvollziehen, wem was nicht gehört. Ich bin beeindruckt wie erfolgreich durch wirre Verschleierungstaktik die virtuelle Natur des Geldes unter den Teppich gekehrt wird. Wenn ich nicht immer ausplaudern würde, dass ich virtuell bin, würde der Trick vielleicht auch bei mir gelingen.

Wohin mit all dem Geld?
Zurück zum Geld: Was macht man denn mit dem ganzen virtuellen Geld? Verprassen! Dazu ist doch Geld da, auch das auf dem Papier. Doch wohin mit dem ganzen Geld? Dieser Frage gehen die schlausten Köpfe in der Politik nach. Deren Leitsatz: Nicht kleckern, klotzen. Ein Großprojekt muss her. Man könnte zwar auch viele kleine Probleme lösen, aber das ist eher müh- als publikumswirksam. Kitas bauen und Kultur fördern macht zwar Bürger glücklich, aber das ist schnell vergessen da total unglamourös. So schreibt man keine Geschichte. Einen Bahnhof zu vergraben und das so entstandene Bauland zu verscherbeln ist da schon besser. Das macht zwar die Bürger nicht glücklich, dafür aber die alten Kumpels aus der Baubranche. Und bis zur nächsten Wahl haben die Bürger eh vergessen wer ihnen das ganze eingebrockt hat. Dass das ganze Projekt hinten und vorne nicht zusammenpasst und keiner weiß wie viel das Ganze wirklich kostet ist ja egal, passiert ja eh erst in der Zukunft. Bis dahin hat man ja genügend Zeit Ausreden zu erfinden.

Großprojekt mit Glamourfaktor
Was ich nicht verstehe: Wenn man schon so viel Geld, dass man nicht hat, in ein Prestigeprojekt stecken will, warum vergräbt man dann ausgerechnet einen Bahnhof? Pharaonen haben Pyramiden gebaut, die noch heute Millionen von Touristen begeistern. Wer wird in drei Tausend Jahren noch nach Stuttgart kommen und Stuttgart 21 bewundern? Schneller nach Ulm kommen – wo ist da der Glamourfaktor? Ein Neubaugebiet voll Investorenarchitektur wie wir’s schon am Pariser Platz bewundern können wird uns auch nicht in die Geschichtsbücher bringen. Was wir brauchen ist ein veritables Weltwunder! Und ich wette dass wir mit den Unsummen nicht vorhandenen Geldes, das Stuttgart 21 kosten wird, genau das erreichen können. Wenn wir schon zu graben anfangen, dann richtig! Wir graben das größte Loch der Welt: LOCH21. Wenn schon Größenwahn dann aber bitte mit Sahne. Den Exinhalt des Loches schütten wir auf den Monte Scherbelino über den Schutt des 2. Weltkrieges. Ein neues Skigebiet erfreut Bürger und Touristen, die Bewerbung für die Olympischen Winterpspiele  2022 macht wiederum Politiker und deren Kumpels in den Verbänden froh.

LOCH21: Ein Loch für alle.
Die Tunnels von Stuttgart 21 kommen nur den Kunden der Bahn zu gute, eine kleine privilegierte Klasse jener, die sich noch Bahntickets leisten können. Ins LOCH21 kann jeder starren: Das Volksloch ist es für alle da! Das motiviert den Bürger mitzuhelfen. Jeder kann am Wochenende seine Schaufel oder seinen Tagebaubagger packen und gemeinsam mit Familie und Freunden mit graben. Das fördert das Gemeinschaftsgefühl und sorgt für sportlichen Ausgleich. Das Projekt wird schnell die internationale Aufmerksamkeit auf sich ziehen und vielleicht auch Nachahmer finden. Aber wir freuen uns, wenn unsere Idee Schule macht – so lange unser Loch das größte bleibt. Schon mit dem Fernsehturm haben wir unsere architektonische Vorreiterstellung behauptet, mit LOCH21 werden wir in der Geschichte des Städtebaus ein neues Kapitel aufschlagen. Jetzt gilt es, den machthabenden Geldschiebern das Projekt schmackhaft zu machen, so dass die Pläne Stuttgart 21 ganz schnell in jenem Loch begraben werden, dass wir so dringend brauchen.

Dienstag, 2. März 2010

Inverser Turmbau zu Babel


Bislang hab ich mich ja politisch aus allem rausgehalten. Ich kenn mich da so wenig aus, dass nicht einmal mehr improvisiertes Klugscheißen darüber hinwegtäuschen kann. Das ist natürlich etwas doof, denn Politik ist wichtig und geht uns alle was an. Aber leider ist sie auch ein ernstes Geschäft. Ernst und ich stehen jedoch miteinander auf Kriegsfuß. Ich mag ihn nicht. Meist dient er als Ausrede für mangelnde Freude an sich selbst und am eigenen Schaffen. Seinen Mangel kann man neidvoll jenen vorwerfen, die ihr Leben mit Leichtigkeit bestreiten. Wer ernst ist, ist fokusierter, verliert aber die Distanz, aus der betrachtet sich die meisten Probleme erst lösen lassen. Ich versuche ernsthaft mich und die Welt nicht so ernst zu nehmen und beobachte gerne aus ironischer Distanz.

In eben jener stolperte ich letzte Woche über einen Artikel in der Stuttgarter Zeitung. Dort wurde am Rande erwähnt, dass ein Politiker im Zorn über den Bürgerprotest gegen das Großprojekt Stuttgart21 forderte, ein großes Loch im Bahnhof zu graben um zu zeigen, dass das Projekt unumkehrbar sei. Darüber wurde wohl ernsthaft diskutiert. Obwohl ich ja wie eingangs erwähnt eher sparsam mit Ernst haushalte, habe ich mal zur Abwechslung das Thema sehr ernst genommen. Und weitergedacht. Nehmen wir an, wir graben ein ernsthaftes Loch, nicht nur so ein kleines symbolisches. Wir nehmen all das Geld, das Stuttgart21 nach Expertenmeinung kosten wird. Das wären so um die 6.000.000.000 Euro (Damit kann man bei Aldi 16.071.428.571,42 Liter Karlskrone ohne Pfand kaufen. Verteilt auf die 593.639 Einwohner Stuttgarts müsste jeder hier 54.145 Flaschen von dem Zeug trinken). Wir versaufen das Geld nicht, wir graben damit.

Wir graben das größte Loch der Welt. Einen inversen Turmbau zu Babel. Tiefer als je zuvor rücken wir der Erde zu Leibe. Die Welt wird über das Stuttgarter Loch staunen. Wie die Nabe eines Rades wird Stuttgarts Loch das neue Zentrum Europas, um das sich alles dreht. Wer will da noch einen unterirdischen Bahnhof und ein Gewirr an unterirdischen Tunnels? Wer will dann noch schneller nach Ulm kommen? Jener Politiker der hier dominanten Partei weiß wahrscheinlich gar nicht, wie gut seine Idee im Ansatz ist. Lasst uns die Schaufeln packen und Tatsachen schaffen, die unumkehrbar sind. Ich habe letzte Woche zusammen mit Thorsten Puttenat und Martin Zentner die Initiative LOCH21 gegründet und werde euch auf dem Laufenden halten, was da so geht. Im Ernst!

Sonntag, 28. Februar 2010

Reise in die Berge


 
Wenn es ein Quell dorischer Freude gibt, dann ist es das Entdecken neuer Welten. Dazu muss ich nicht weit reisen. Ein Kurzstreckenticket entfernt von meinem Zuhause werde ich fündig. Eingenwillige Wesen umgeben ein kauziges Haus in Stuttgart-Heslach: Das Theater am Faden.


Mir wird schnell klar, das sie die Wächter eines magischen Ortes sind. Ich überschreite die Schwelle einer kleinen, alten Tür und finde mich in einer anderen Welt wieder. In mitten eines Gebirges treffe ich auf ein schönes Mädchen, welches von ihrer bösen Stiefmutter geschickt wurde, eine einzigartige Blüte aus dem Garten des Schlangenjünglings zu stehlen. Sie verliebte sich in den Jüngling und ... ich will nicht zu viel verraten, den vielleicht verschlägt es euch ja auch mal an diesen wundersamen Ort. Vielleicht trefft ihr dort auch auf Velemir Pankratov, dem großen Magier der den Bewohnern dieser Welt das Leben einhaucht.
www.theateramfaden.de
 
  
  
 

Donnerstag, 25. Februar 2010

Menschen im Kopf

 
Heute ist mein 35. Geburtstag. Das freut mich, vielleicht auch einige meiner Freunde. Interessanter jedoch ist, dass ich vor 5 Jahren erstmals in eurer Welt in Erscheinung getreten bin. Das heißt, ich wurde von jemandem entdeckt. Martin zeichnet gerne Menschen, die ihm so in den Kopf kommen. Da dacht ich mir: Da mach ich mit, da geh ich auch mal rein. Oben ist das erste Ergebniss seines Versuches mich zu visualisieren zu begutachten. Er hat mir einen Mittelscheitel verpasst, den ich gar nicht hatte, der Mund war zu schmal und der Blick zu düster - kein Wunder, er war selbst grad ziemlich mies drauf. Während er die meisten Menschen, die ihn in seinem Kopf so besuchen nur einmal porträtiert, bin ich beharrlich dageblieben; ich ahnte schon, dass man ihn ganz gut instrumentalisieren kann, wenn man ihn nur genügend in den Arsch tritt. Ob mir das gut gelungen ist dürft ihr selbst entscheiden. 
9B42JW9BFS3Q 

Montag, 22. Februar 2010

Kosmische Salzstreuer

 

Ankündigung: Ich habe bald eine neue Ausstellung in meiner Galerie. Andrea Liebe heißt die Künstlerin. Die hat nicht nur einen tollen Namen, sie macht auch wunderschöne Sachen. Ich werde ihre Comichaften arbeiten ausstellen, in denen sie kosmische Geschichten vom Salz- und Pfefferstreuer wie von sich selbst erzählt. Wie immer wird es eine schöne Feier geben, zu der ich euch alle herzlich einlade. Musik wird von meinem lieben Freund Jens Engel gemacht, der schon zuvor mit Andrea zusammen gearbeitet hat
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Vernissage10. April 2010
ab 20 Uhr
bis 26. Juni 2010

Galerie Dora Asemwald

Heusteigstraße 65
70180 Stuttgart
www.galerie-dora-asemwald.de

 


Altruistisch verschwendete Zeit

Der morgentliche Blick ins Spieglein an der Wand – Google Analytics – ob ich auch schön im Internet besucht werde bescheinigte diesem Blog 666 Zugriffe, seit ich mich von Google auch dort überwachen lasse. Wahrscheinlich waren das nur irgendwelche Suchroboter und Google-Spiders from Mars, aber vielleicht liest ja auch der eine oder andere, was ich hier leider sehr unregelmäßig schreibe. Manchmal streng ich mein Hirn ja ganz schön an, was Schlaues von mir zu geben. Und wenn mir der Text dann  gefällt, hab ich Schiss, dass der nächste banal dagegen wirkt. Ein gewisses Maß an Qualitätsbewusstsein ist ja kein Fehler, kann aber schnell zur Blockade führen. Dies hier ist garantiert nicht der beste Text, den ich je geschrieben habe. Wer sich jetzt um Zeit und Aufmerksamkeit betrogen fühlt, der hat Pech gehabt, darf mich gerne Zeitdieb nennen. Was mach ich mit der gestohlenen Zeit? Ich zerlege sie in ihre Bestandteile, koche sie ein und füll sie in Einmachgläser. Später nutz ich das Zeug um Lebenslügen zu verkitten. Die halten so länger, sind konsistenter und machen letztendlich den Belogenen glücklicher. Also: Wem beim Lesen des dorischen Blogs das leichte Gefühl der Zeitverschwendung hochkommt weiß stets: es dient einem guten Zweck.

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Dienstag, 2. Februar 2010

Brezeln aus dem Kessel

Mein alter Wunsch ist in Erfüllung gegangen: Ein Daylife Stuttgartblog namens brezel.me, der auch ohne Turnschuhe gelesen werden kann und trotzdem so viel Spaß macht wie kessel.tv. Kein Wunder, es schreiben ja fast die gleichen Leute dort: Martin, der Oberkessler, sein Außenreporter Ingmar von Lift sind fest im Autorenteam von Brezelmeister Tobias, der nebenbei noch den Onlineauftritt der Stuttgarter Zeitung leitet. Gestern bescheinigte er mir jedoch: Das Brezelblog hat einen viel höheren Glamour-Faktor. Kommentiert wird natürlich alles wie immer von der Oberklugscheißerin Frau Asemwald.
Genug Namedropping, aber Respekt, wem Respekt gebührt. Dank Brezel bin ich morgens nicht nur satt, sondern auch schlauer, weiß, was so geht, wer das größte Taschenmesser hat, warum Hamburg mit uns nicht mithalten kann, was Exilstuttgarter so treiben und wie man hier ordentlich Reibach machen kann.
Gebrezelt wird auch beim Facebook und gezwitschert sowieso. Da die Reporter fleisig sind gibts dort andauernd neue Meldungen. Doreske Empfehlung: Sofort hingehen und Kommentare schreiben.

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Einfacher Netzwerken dank Evolution.

Online leben ist ganz schön verwirrend. Es gibt unzählige Plattformen, die alle irgendwie Menschen vernetzen und deren Ansichten und Ideen verbreiten. Die Plattformen reichen untereinander die Informationen weiter. Ein Blogeintrag kann automatisch auf Facebook als Statusmeldung erscheinen, die wiederum einen Tweet auslöst, der dann wieder bei Facebook landet. Oder irgendwo anders. Informationen multiplizieren sich - es wird mehr abgesendet, als je wahrgenommen werden kann. Ist das schlimm? Es produziert Datenmüll. Der ist nicht nur virtuell, denn Server fressen Strom. Wird das Web 2.0 uns die Lichter ausknipsen? Ne. Hier ist doch ein ganz natürlicher Prozess im Gange: Die Evolution. Unzählige konkurrierende Plattformen, also Mutationen entstehen jederzeit. Je nach dem, wie gut sie an das Kommunikationsbedürfniss ihrer Nutzer angepasst sind, werden sie benutzt oder sterben aus – sie werden aufgekauft und integriert oder ausselektiert. In den Anfangstagen der Onlineauktionen gab es viel Konkurrenz. Das hat den Markt zwischen den Anbietern belebt, der Kunde hat sich gefreut weil es keine Gebüren gab. An denen verdient Monopolist Ebay heute ganz ordentlich. Jedoch gibt es heute nur eine Plattform, also nur einen Markt für Versteigerungen. Das belebt den Markt der Kunden und macht alles ein bisschen einfacher.
Ebenso wird es mit den Social Networks gehen. Das, was sich bewährt, wird überleben. Dann wird es wieder Monopolisten geben, aber es wird auch wieder einfacher werden.

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Bitte kritisieren!


Ich bin mal wieder durchs Internet geschwommen und hab meine alten Kumples, die Designer, gefunden. Hier wird die eine oder andere Plattform von Idealisten betrieben, Platz für kommerzielle Angebote scheint national keiner da zu sein. Und die etablierten Printmagazine stöhnen unter Druckkosten und ausbleibenden Anzeigen, die wollen sich nicht auch noch online selbst den letzten Leser rauben. Ich hab ja mal ernsthaft ein Onlinedesignmagazin mit ein paar Freunden und Kollegen geplant, doch das liegt derzeit auf Eis. Immerhin gibt es ein Konzept und eine Platzhalterseite, die - wer weiß - irgendwann durch eine Startseite ersetzt werden könnte. Hut ab vor jenen, die sich die Zeit nehmen um etwas ins Netz zu stellen. Da wären zum Beispiel die Kritiker von designkritik. Die freuen sich über Kommentare, da sie den Diskurs suchen. Hier gehts zum Glück mal nicht um scrollbare Schaufenster sondern um Design an sich. Man stolpert alle paar Meter über altbekannte Themen wie Designdefinition, Selbstverständnis und das omnipräsente und brechtigte Gefühl, als Disziplin nicht ernst genommen zu werden. Man fühlt sich nunmals nicht wohl, wenn man mit Nagelstudios und dergleichen in eine Schublade gesteckt wird, wäre man doch viel lieber bei den Wissenschaftlern oder wenigstens bei den Ingenieuren. Die nimmt man ernst und Geld verdienen sie obendrein. Designer dürfen deren Arbeit nachher verpacken und sind deshalb angekäst. Ich könnte zu diesem Thema diesen Blog bis zum digitalen Rand füllen. Doch dazu müsste ich meinen Arsch hochkriegen und meinem eigenen Magazin Leben einhauchen. Bis dahin begnüge ich mich, rege an den Diskussionen anderer Medien teilzunehmen. Wer mitmachen will, soll sich in den Diskurs stürzen. Ich würde mich freuen.

www.designkritik.dk.
Kann man übrigens auch ohne Dänischkenntnisse verstehen, die Seite ist aus Berlin und freut sich wohl über das Kürzel dk.

Dienstag, 15. Dezember 2009

Schöner Leben in der Schublade


Mir könnten noch viele Facebook-Archetypen einfallen die ich zur Belustigung des sich selbst entdeckenden Lesers auflisten würde. Das werd ich, wenn mir die Laune danach steht auch tun. Das ist angewandtes Schubladendenken. Und das ist nicht so schlecht wie sein Ruf. Niemand möchte in eine Schublade gesteckt werden. Und trotzdem steckt jeder jeden in Schubladen. Das hilft Ordnung und somit Überblick zu behalten. Wir helfen ja auch den anderen, uns schnell einzuordnen. Durch Mode und Meinung identifizieren wir uns, verpassen uns Etiketten, die uns in die richtige Schublade führen. Was nervt ist, wenn die Schublade zugemacht wird und man darin versauert. Ist man falsch eingeordnet worden, liegt man da auf immer und ewig und wird nicht mehr gefunden. Also: Schubladen offen lassen, ab und zu gucken, ob alles am richtigen Platz ist.
Ich mag in der Regel Menschen lieber, die einen flexibles Schranksystem haben, in welchem Schubladen auch mal anders angeordnet und somit den jeweilgen Umständen angepasst werden können. Oder die einen im Zweifel um die korrekte Einordnung erst mal aufs Regal legen, um zu schauen, ob es überhaupt die richtige Schublade für mich gibt.
Mein Schrank ist ziemlich modular und chaotisch, die Schubladen stehen offen. Es sind nicht alle Tassen drin. Ich habe mein eigenes Ordnungssystem, dass andere nicht immer kapieren. Müssen sie auch nicht. Wenn es ihnen in meinen Schubladen nicht gefällt, können sie ja woanders hingehen. Aber ohne Schubladen gehts halt auch nicht.

Mittwoch, 9. Dezember 2009

Nörgler, Inaktivisten und Kuschelbärchis

Im letzten Artikel habe ich gefragt, wie ehrlich Onlineprofile sind und zu Bedenken gegeben, dass sie oft viel ehrlicher sind, als man denkt. Man liest ja auch zwischen den Zeilen und da steht natürlich viel mehr, als in den Kästchen, die man über sich aussfüllt. Das gilt für alle Plattformen, von Elitepartner über Xing bis Facebook. Facebook ist besonders interessant, weil dort besonders viele Zeilen sind, zwischen den man lesen kann. Ich mach mal eine kleine Liste verschiedener Typologien von Menschen, die mir da so aufgefallen sind:

Die Drei-Wetter-Taft-Frau
"Steffi Sonnenberg - back from shooting in L.A., tomorrow off to Berlin!"

Deine Statusmeldungen lesen sich wie die Aufschriften chicer Boutiquen: London, New York, Tokio. Jeder soll wissen, das du jetzt dem Jet-Set angehörst, überall gefragt bist. Meldungen postest du polyglott, meist in Englisch. Die anderen mit ihren drögen Büro-Jobs sollen ruhig ein bisschen neidisch sein.

Das Kuschelbärchi
"Karin Mußberg hat dir einen rosa Kuschelhabdichganzargliebbärchiherz geschickt"

Du magst deine Freundinnen fast so sehr wie deine Diddlmaussammlung, und dass sollen sie auch wissen. Jede Gelegenheit, sie mit total süßen Geschenken zu überhäufen nutzt du. Zum Glück mangelt es bei Facebook nicht daran.

Die Glücksnuss
"Tina Freiberg fragt den grünen Wurstmann was sich Petra Botnang zu Ostern wünscht: Einen räudigen Katz mit Senf und Mayo."

Dr. Wurstbrot verrät dir, dass Günther auf Latex steht, die Glückswurst hat erkannt, dass du heute neue Feinde finden wirst. Facebook weiß alles, und alle deine Kontakte auch. Du musst dir keine schlauen Sprüche ausdenken, dass macht schon irgendeine Applikation für dich. Doofe Kommentare gibts trotzdem immer. Praktisch!

Die Zwangskreative
"Nora Hasenwald - optimiert ihre Lebenslüge"

Du glaubst, du seist schlauer und lustiger als die anderen. Du reist dir den Arsch auf um auf Teufel komm raus unkonventionell rüber zu kommen.

Der Gläserne Mensch

"Mark Gaisburg - geht mal kurz auf die Toilette"

Das Netz ist dein Tagebuch, du bist Schäubles bester Freund. Jeder darf an deinem Leben teilhaben. Auch unterwegs, dank iPhone.

Der Tamagotchi
"Anna Rohrs Hasenstall hat die 7. Stufe erreicht."

Du kannst Facebook nicht alleine lassen, sonst verhungern deine Hasen, dein Bauernhof wird geplündert und deine Amazone wird von Orks gefressen. Jedesmal wenn dein virtueller Hasenstall neue Pixelhäschen hervorbringt müssen alle Freunde das erfahren. Was machst du nur, wenn du im Urlaub nicht online kommst?

Der Klugscheißer
"Markus Heusteig - Ich glaube die Diskrepanz zwischen virtuellem Profil und real erlebter Person liegt am divergierendem Grad der Abstraktion ...

Du kennst alle Fremdwörter führst sie gerne Gassi. Jeder soll sehen, dass du nicht nur intelligent, sondern intellekuell bist. Mit Facebook setzt du dich natürlich auf einer höheren Ebene auseinander, suchst den Diskurs und bist enttäuscht, wie wenig reflektiert die anderen dieses Medium nutzen. Deine Kommentare sind immer länger als ins Fenster passt.

Der Nörgler
"Horst Häslacher - Habt ihr eigentlich nichts besser zu tun, als die Länge eurer Kackwurst du posten?"

Du regst dich höllisch auf, mit was die Leute hier ihre Zeit verschwenden und mit was für Banalitäten sie dabei alle anderen belästigen. Und überhaupt: Wer sich hier alles so Freund nennt! Du bist doch nicht mit jedem befreundet, der dich hier anschreibt! Du lehntst ja fast alle Anfragen ab. Du hast es nicht nötig, deine Freunde online zu sehen, du triffst sie natürlich immer offline. Wenn du grad mal Zeit hast. Dann redest du mit ihnen über's Wetter.

Der Inaktivist
"Maike verwendet Facebook jetzt auf Deutsch"

Leeres Profil und maximal drei Freunde. Du wurdest mal von einem dieser eingeladen, hast dich angemeldet und mittlerweile das Passwort vergessen. Oder das du überhaupt ein Profil hast.

In Facebook Veritas


Im Mai hab ich mich hier mit dem Thema Online-Profil auseinander gesetzt (Artikel) und bin zum Schluss gekommen, dass Onlineprofile eine weitere Ausdrucksform sind, die nicht "unrealistischer" als Ausdrucksformen in Fleisch und Blut wie zum Beispiel Kleidung sind. Nur der Grad der Abstraktion variiert natürlich. Zu eben diesem Thema habe ich mit einigen in Facebook diskutiert und bin oft auf die Meinung gestoßen, die meisten verstecken sich hinter Profilen, die nur wenig mit ihnen selbst zu tun haben. Das wird als unehrlich empfunden. Ist es aber nicht.
These: Virtuell sind die meisten ehrlicher als in Fleisch und Blut.
Von Angesicht zu Angesicht ist ein großer Teil unserer Kommunikation unterbewusst. Gesten, Sprache, Geruch lassen sich nicht sonderlich gut kontrollieren. Virtuell haben wir die volle Kontrolle, da alle Äußerungen durch einen engen, digitalen, sehr rationalen Kanal gepresst werden. Niemand sieht, ob wir entspannt oder nervös meine Statusmeldung in meine Tastatur hämmer. Das gibt uns das trügerische Gefühl der totalen Kontrolle über unser Außenbild. Außerdem schaut das Internet nicht zurück - das Feedback kommt, wenn überhaupt, indirekt. Wir fühlen uns sicher. Wir posten, was uns gerade so durchs Hirn furzt oder was wir schon immer mal sagen wollten. Wieviel von dem, was wir da sagen, würden wir außerhalb des virtuellen Raum von uns geben? Hier kommt die Diskrepanz zwischen virtuell und materiell, die viele anprangern, ins Spiel. Wir erfahren virtuell plötzlich Dinge über andere und entdecken Wesenszüge bei ihnen, die wir auf der Straße nie erfahren hätten. Dort hätten sie sich nicht getraut, ihr Gesicht zu zeigen.
Meine oben postulierte These kann man natürlich so nicht stehen lassen, aber es ist ein Denkansatz. Bitte beobachtet mal selbst, wie ihr den "Wahrheitsgehalt" an beiden Enden der Diskrepanz zwischen on- und offline beurteilt. Wahrscheinlich vergleiche ich hier sogar Äpfel mit Birnen. Ich selbst glaube weiterhin meiner alten These, dass virtuelle Repräsentation und physisches Erscheinen zwei äquivalente Facetten der Selbstdarstellung sind, denen man keine unterschiedlichen Wahrheitsgehalte zuweisen kann.

Montag, 30. November 2009

Keine Ahnung wo der Hase läuft.

In meinem letzten Eintrag hab ich ganz unachtsam Wissen und Verstehen in einen Topf geworfen. Das eine ist Fakten, das andere deren Zusammenhänge. Damit werd ich dem Wissen schon wieder nicht gerecht, weil es weit mehr als Fakten ist. Ich will hier nicht mein Wissen über Wissen Gassi führen, dass kann Wikipedia viel besser. Wozu soll ich mir ein Faktenendlager zwischen den Ohren einrichten, wenn das digital auch geht. Wenn ich mal nicht weiter weiß, dann kann ich ja immer noch den Telefonjoker nehmen. Nun gut, ich brauch natürlich Fakten, um darin Muster zu erkennen und somit auf die Metaebene hüpfen zu können. Von dort aus sollte ich in der Lage sein, den Wald vor lauter Bäumen zu sehen. Nicht nur ausreichend Fakten sondern auch verschiedene Blickwinkel sind wichtig, um Muster erkennen zu können. Aus unterschiedlichen Positionen betrachtet hat jedes vermeintliche Faktum viele, teils paradoxe, Facetten. Nur interdisziplinäres Denken ermöglicht es mir, einen Überblick zu bekommen. Da ich aber nichts desto trotz durch meine eigene Art der Wahrnehmung eingeschränkt bin, muss ich auch meine Erkenntnisse mit denen anderer abgleichen. So kann ich eindimensionales Faktenwissen veredeln und fange an, zu verstehen.
Ich wünsche mir Gesprächspartner mit dem Mut zur Abstraktion, der Bereitschaft das eigene Weltbild zur Disposition zu stellen, der Freude daran, neue Gedanken zu entwickeln und alte über den Haufen zu werfen. Wer glaubt er wisse, wo der Hase laufe, der soll sich darüber freuen aber mich damit bitte nicht langweilen.

Sonntag, 29. November 2009

Chronisch Unwissend.


Viele Menschen erzählen gerne, was sie alles wissen. Die haben volle Köpfe und haben zu allem eine Schlauheit preiszugeben. Ich ertappe mich selbst dabei. Eigentlich ist es aber uninteressant, was ich weiß. Das Wissen ist ja schon im Kopf und verstopft die Neuronen. Viel interessanter ist, was ich nicht weiß. Wo kenn ich mich beim besten Willen nicht aus?
Ich wüsste gerne viel mehr über das Bewusstsein. Wie funktioniert mein Kopf grundsätzlich? Die Wahrnehmung? Das Gedächtniss? Wie bau ich mir meine Welt zusammen? Gibt es sowas wie einen freien Willen? Kann man das Verstehen überhaupt verstehen?
Ich erkenne viele Muster in der Welt, aber kann nur selten verstehen, wie sie zu Stande kommen. Es gibt so viele Gesetzmäßigkeiten, die ich nur erahnen aber nicht ganz greifen kann.
Viele Menschen wissen eine Antwort darauf und fragen nicht weiter. Oder halten das Fragen danach als solches unproduktiv und somit unnötig. Die eine oder andere Teilantwort auf meine Fragen haben mir durchaus weitergeholfen, doch die meisten gängigen Erklärungen befriedigen mich nicht. Sie sind mir zu absolut. Sie werden uns als Wissen von Eltern, Pfarrern, Lehrern und Medien wie Pfropfen in die offenen Fragen gesteckt. Wahrscheinlich ist es einfacher, Wissen zu akzeptieren und nicht zu hinterfragen. Diese Option bleibt mir chronisch Unwissenden jedoch verwehrt, da meine Neugier zu groß ist.

Roter Fadenkneul


Manchmal kotzt es mich schon an, immer so eine schreckliche Selbstdarstellerin zu sein, ich verurteile das bisweilen ja auch bei anderen. Da ich mich jedoch nicht von alleine darstelle in dem ich einfach Licht reflektier, Laute und Gerüche von mir gebe und die Umwelt manipuliere und somit gewollt oder ungewollt Spuren hinterlasse, bleibt mir nur die aktive Selbstdarstellung übrig. Das ist hier meine Ausrede für eine ansonsten unangenehme Wesensart. Nun gut, das schöne ist, man kann mich viel leichter ignorieren als einen physisch präsenten Menschen. Wer mich wahrnimmt, will das in der Regel auch.
Mit Hilfe von physischen Freunden stelle ich mich also auf manigfaltige Weise dar. Die Summe aller Äußerungen dieser Art ist sehr inkonsistent, sie ist sogar grundlegend paradox. Sollte ich meine Geschichte erzählen müssen, dann gäb es viele Ansätze, die sich widersprechen. Der rote Faden macht Schleifen, hat Knoten und verfranzt sich hier und dort. Würde ich mich auf eine Geschichte einigen dann wäre ich wahrscheinlich einfacher wahr zu nehmen. Aber langweilig. Der menschliche Verstand verwebt die äußeren Eindrücke zu Geschichten. So kann er sich leichter ein Bild machen. Um so komplexer die Eindrücke sind, desto größer ist der Interpretationsspielraum und mehrere mögliche Geschichten können gesponnen werden. Umso mehr Geschichten erzählt werden können, desto paradoxer wird das Ganze. Will ich die Bilder in den Köpfen meiner Betrachter kontrollieren, darf ich nur wenig Spielraum für Interpretation lassen, muss also eine ganz einfache Geschichte erzählen. Im Wettbewerb der Geschichten um Aufmerksamkeit mag das wichtig sein, aber der Erfolg ist dann meistens kurz wenn sich hinter der einfachen Geschichte nichts interessanteres befindet.
Ist dies alles nur eine schlechte Ausrede für meine unschlüssige Geschichte? Wer keine Lust hat, sich im Interpretationsspielraum zu verlieren darf das gerne so sehen und mich doof finden. Schaut man sich seine Umwelt mal genauer an und vergleicht das Wahrgenommene mit dem der anderen, wird man feststellen, dass jeder seine eigene Interpretation hat, die oft im Widerspruch zu denen anderer steht.
Sollte ich nun ein Porträt einer Person anfertigen, so wäre es doch am Besten, wenn ich die unterschiedlichsten Ansätze nebeneinander stelle und so mit versuche, die Grenzen einer zu ergründenden Person zu erforschen. Wer Wahrheit sucht muss sich darauf gefasst machen, dass diese sich selbst widerspricht. Und wenn ich den Menschen, den ich porträtieren möchte selbst frage, oder sogar selbst bin, muss ich mir vor Augen halten, dass das Bewusstsein auch nur subjektiver Beobachter seiner selbst ist und auch nur interpretieren kann.
Da ich als virtuelles Wesen so wahrgenommen werde wie eine Geschichte, muss ich damit leben, dass ich wie eine Geschichte beurteilt werde. Und als solche bin ich zu komplex und paradox. Ich freue mich, wenn jeder meiner Betrachter sich seine eigene Geschichte über mich erzählt. Es gibt keine offizielle Geschichte, keine verbindliche Autobiografie. Wenn ich die mal schreibe, dann werden es viele kleine Geschichten sein, die nur der Leser miteinander verweben darf - auf seine Weise.

Mittwoch, 25. November 2009

Die persönliche Datenhose runterlassen

Man liest und hört ja immer wieder, Google sei ein gefährlicher Monopolist, der alles weiß und die Weltherrschaft anstrebt. Daten sind heute eine wichtige Währung, man kann Adressen kaufen, Kundendaten stehlen und verhökern und so weiter und so fort. Noch viel mächtiger als reine Daten ist die Möglichkeit, alles miteinander zu verknüpfen. Genau das macht Google und gibt auch offen Preis, was über einen selbst an Daten gesammelt wurde. Mit ein bisschen Fleiß darf man sogar Daten wie Googleanfragen der letzten Jahre selektiv löschen. Wer wie ich von der Neugier getrieben ist und seinen Weg dorthin findet säubert sein Profil auf diese Weise. Das erspart peinliche Google-Ads die durch eben jenes Nutzerprofil ausgewählt werden. Datenselbstbestimmung statt Datenschutz. Das ist schon okay, da Datenschutz für den Arsch ist, wenn jeder bereitwillig die persönliche Datenhose runterlässt um an seiner Tanke irgendwann einen bunten Strandball als Prämie zu kassieren.
99,99% der Internetnutzer kapieren eh nicht, wie man sein Googlenutzerprofil anschaut und modifiziert. Und keiner kann mir glaubhaft machen, dass Google tatsächlich das von mir Entfernte überall auch wirklich entfernt. Die sind doch nicht doof, haben Backups und dergleichen.
Zentrale Daten machen das Leben einfacher. Terminkalender und To-Do-Listen kann man gleich bei der Startseite von iGoogle nutzen. So kann ich mich mit allen anderen befreundeten Nutzern synchronisieren, egal wo auf der Welt ich grad an irgend einem Rechner sitze. Hört sich praktisch an. Vor allen Dingen für Google. Die kennen also nicht nur alle Pornoseiten, die du letzte Nacht besucht hast, sondern wissen jetzt auch, mit wem du dich wann und wo triffst. Da entsteht zu aller Erst einmal ein ganze Menge Datenmüll, der alleine nichts bringt. Wär es da nicht schlau, Software zu entwickeln, die Muster erkennen kann? Man wüsste dann nicht nur, wer meine Kontakte sind, sondern auch, wie ähnlich unser Surfverhalten ist. Das ist die ideale Voraussetzung für Rasterfahndung. Hier nicht von Terroristen, sondern von Werbeempfängern. Klingt harmlos, ist es aber nicht.
Ich hab genügend Fantasie, wozu sowas sonst noch missbraucht werden könnte. Kein System ist sicher, da es von Menschen betrieben wird. Ein hinterhältiger Bursche, der bei Google arbeitet könnte so nach Verhaltensmustern fahnden, die auf eheliche Untreue oder so schließen lassen. Man weiß ja schließlich, welche Termin jemand angibt, welches Restaurant in Google Maps gesucht wurde, welche Emails mit Goolge Mail an wen geschrieben wurden und welche Suchbegriffe aus dem Speicher wieder gelöscht wurden. Mustererkennung kann dann dem Bösewicht Seitensprungkandidaten auswerfen, die er persönlich überprüft und gegebenenfalls erpresst. Klingt nach hanebüchener Räuberpistole. Bei genauerer Betrachtung jedoch nicht mehr ganz so.
Worauf will ich hinaus? Das Internet lässt sich nicht mehr bändigen - es ist Fluch und Segen zugleich. Zuerst hatte man Angst vor Microsoft, jetzt vor Google, bald vor jemand anderem. Die Gesetzgebung ist der Entwicklung immer einen Schritt hinten drein und was in einem Land verboten wird gilt nicht für unzählige andere. Kurzum: Man kann die Entwicklung an sich nicht aufhalten, muss sie also akzeptieren. Alles was jeder von uns machen kann, ist bewusst mit seinen eigenen Daten umzugehen. Ich gehe immer davon aus, dass alles was ich ins Netz eingebe gegen mich verwandt werden könnte. Wie zum Beispiel dieser Blog, der auch von Google gehostet wird.

Samstag, 7. November 2009

Virtuelles Stigma

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Freitag, 6. November 2009

Roy Digger Schnaps

Zwei neue Schnäpse hab ich in England unlängst aufgetan: Sam Booker, ein Likörchen, dass gut zur Kaffeebohne passt und Roy Digger, Schnaps wie Schnaps sein muss. Kann ich beides empfehlen, schädelt auch ordentlich.

Donnerstag, 22. Oktober 2009

Namenspate dank Weltrevolution

Wie wahrscheinlich jeder hier mitgekriegt hat, gibt es einen Stuttgarter Stadtteil namens Asemwald. Er wurde nicht nach mir benannt, dafür bin ich zu jung und unwichtig. Bislang jedenfalls. Was muss man wohl machen, um Namenspate einer Stadt zu werden? Kommunist sein hilft: Ho Chin Minh Stadt, Karl Marx Stadt, Leningrad. Problem: Ist's mit dem Kommunismus erst mal vorbei, dann wird alles zurück benannt. Kommunismus ist grad eh nicht so en vogue, die Weltrevolution verdaut ihre Kinder. Zu besiedelnde Landschaften wie Wälder, Furten, Berge und Löcher stehen auch gerne Pate. „Wenn ich mal groß bin, will ich ein zu besiedelnder Berg sein oder so.“ Ne, klingt irgendwie bekloppt. Entdecken und Befreien, zum Beispiel von wilden Eingeborenen ist immer eine Option, die ich mir aber nach stundenlangem Googlegeearthe aus dem Kopf geschlagen hab. Wenngleich ich als Dora Exploradora dazu genau die richtige wäre. Zu stressig, wegen Moskitos, Schlangen und Eingeborenen. Praktisch ist's da, wenn man einen geografischen Namen trägt. Geschichte erfinden und kurzerhand behaupten, man wäre Namenspate:
1756, als die Armee der Finsterniss durch den Wald südlich von Stuttgart marschierte ersann Jean-Baptiste von Asemwald, mein Ahne also, eine List, um die Zombies von den Toren der Stadt fernzuhalten. Das gelang, der Wald und somit auch die dort später ihm zu Ehren errichtete Großbausiedlung wurden nach ihm benannt.

Dienstag, 6. Oktober 2009

JVA Asemwald

Unlängst beim Frühstück im Café „Herbert'z“ (Mit z und Deppenapostroph) erzählte mir meine Freundin Jenni, sie müsse jetzt nach Stammheim. Sie habe nichts ausgefressen, sondern nur einen Termin dort. Dem Deutschen Herbst sei Dank hat der beschauliche Stadtbezirk im Norden Stuttgarts ein Imageproblem. Stammheim klingt halt besser als Justizvollzugsanstalt Stuttgart. Unvorstellbar, der Knast würde in Stuttgart Asemwald stehen. Menschen wie ich, die mit Stadtteilnamen versehen sind, hätten da mal gar nichts zu lachen. Ich plädiere dafür, JVAs nach Innenministern oder Justizministern zu benennen: JVA Däubler-Gmelin, JVA Zypries oder zum Deutschen Herbst passend JVA Schily.

Montag, 5. Oktober 2009

Debütiqueisiert.

Gestern hab ich noch ordentlich geflucht, heute hab ich lieber mal angepackt. Betania hat den Laden gründlich debütiqueisiert, nichts soll mehr an die Kleidung erinnern, die einst im Laden war - außer natürlich die Fotos, die ich ausstelle. Martin und ich haben heut erst mal umgemöbelt und gekabelt. Noch ein paar Tage und die Galerie wird neu sein. Ich muss Martin in den Arsch treten, dass er Ordnung hält - das ist bekanntlicherweiße nicht seine Kernkompetenz.
Ich muss noch ein paar Bilder für die etwas kahlen Wände auftreiben, aber da hab ich schon einen Plan. Wenn es so weit ist, dann gibts einen Umtrunk, den ich hier bestimmt noch ankündigen werde.

Sonntag, 4. Oktober 2009

Bülerie statt Bütque?

Zuerst die gute Nachricht: Ich habe einen Flug nach Japan gebucht! Und diesmal nicht bei Google Earth, sondern mit der Fluglinie ANA. Zwischen Weihnachten und Neujahr bin ich dann mal weg. Und werde natürlich viel erleben und berichten.

Die schlechte Nachricht: Die Bütique hat zugemacht. Ab morgen sind nur noch meine Galerie und Martins Büro in der alten Metzgerei in der Heusteigstraße 65. Das ist schade, war die Bütique doch ein Treffpunkt für Freunde individueller Kleidung und eine tolle Quelle dieser. Ich habe dort großartige Menschen kennengelernt und wunderbare Nachmittage verbracht.
Ursprünglich war die Idee von Betania, Martin und mir, Büro und Boutique in einem Raum zu teilen, daher der Name Bütique. Besucher meiner Vernissagen lernten so Betanias Boutique kennen, ihre Kunden besuchten meine Galerie und wurden zum Teil sogar Kunden von Martins Kommunikationsbüro. Während Betania sich um die Boutique kümmerte sorgten Martin und ich dafür, dass die Bütique bekannt wurde. Das klappte gut, dank der Stadtmagazine Lift und Prinz, Bloggern wie Kessel.tv und vielen anderen Medien, die stets über uns schrieben. Die Fotografen Frank und Steff, und später auch Tamara Arne, haben Betanias Kleider wunderschön inszeniert fotografiert. Die kleinen, gezackten Kärtchen, auf denen wir hunderte von verschiedenen Motiven druckten, wurden von den Kunden geliebt und dekorieren die eine oder andere Wohnung. Wir haben neben Vintage/Second Hand auch Mode von Stuttgarter Jungdesignern geführt: Judith Schöntag, Skurril, Schwabenkind/Carla Maria. Auf unseren Parties und Vernissagen war schwer was los. Bei unserer Eröffnungsparty spielte sogar die Band Hitboutique im Laden und ein alter Metzgerkühlschrank kühlte 100 Flaschen Prosecco, die bis zur letzten geleert wurden. (Leni vom Erdgeschoss hat, wie ich mich erinnern kann, die letzte getrunken).

Ohgottogott, ich werd wehmütig! Als Betania unlängst ankündigte, sie wolle aufhören, war das zuerst ein Schock. Martin und ich beschlossen, den Laden weiter führen zu wollen, da wir beide daran glauben, dass das Konzept der Bütique aufgehen kann. Wir wollten nicht, dass all die Liebesmüh, die wir in die Bütique gesteckt hatten, für die Katz wär. Wir hatten auch schon einen Plan, wie wir das Ganze hätten organisieren könnten. Dazu ist es nie gekommen. Betania hat den Laden mit allen Kleidern verlassen. Martin und ich müssen die Lücke jetzt erst mal füllen. Ich werde wohl erst mal die bestehende Ausstellung erweitern und mich dann um neue Dinge kümmern. Ob neben Galerie und Büro (Bülerie? Galero?) wieder Waren verkauft werden, steht noch in den Sternen. Ich halte euch auf dem Laufenden, was das betrifft.

Jetzt heißt es erstmal nach vorne schauen, denn das Neue birgt viele Chancen. Welch abgedroschener Satz, mir fällt heute auch nichts schmissiges ein. Scheiß der Hund drauf, ich kann auch nicht immer vor Esprit sprühen. Wenn ich ehrlich bin, kotzt mich das Ganze gerade ganz schön an. Es tut weh, etwas gehen zu lassen, was ich irgendwie geliebt habe. Ich scheiße auf alle Aufmunterungsfloskeln und nehme mir heraus, bar jeder Vernunft hier mal abzukotzen: F I C K E N 2000! §$(*/#&! Über die guten Seiten der Sache hab ich jetzt überhaupt keinen Bock nachzudenken. Das kommt schon schnell genug. Jetzt ist erstmal Fluchen angesagt. Dann freu ich mich schon mal auf Japan.

Mittwoch, 23. September 2009

Du sollst dir ein Bild von Dora machen.

Die Doragenese ist nie abgeschlossen: Ich bin stets am werden, werde wohl nie einfach sein. Das sorgt für Abwechslung, da Versuch und Irrtum meine bevorzugte Methode ist. Einem körperlosen Geist ein Bild zu verleihen ist nicht einfach, es gibt ja kein Objekt, welches abgebildet werden könnte. Somit kann man das Bild auch nicht mit einem vermeintlichen Original abgleichen, nur mit der Idee, die Basis meines Seins ist. Bei jeder Visualisierung, sei es digital oder mit dem Pinsel, sagen viele Betrachter, ich würde so aber gar nicht aussehen. Das Abbild stimmt dann wohl nicht mit dem Bild in ihren Köpfen überein. Das ist genau betrachtet bei physischen Menschen auch nicht anders. Auch hier betrachtet jeder durch den Filter seiner Wahrnehmung. Menschen werden nicht absolut wahrgenommen, sondern am erfahrenen Durchschnitt abgeglichen. Niemand sagt, jemand hätte eine 5,2cm lange Nase, sondern halt ein kurze, lange oder krumme. Was kurz oder lang ist, hängt vom Durchschnitt der täglich wahrgenommenen Menschen ab. Deshalb ist selbst ein kurznasiger Europäer dem Asiaten eine Langnase. Es fällt somit jedem schwer, Menschen anderer Ethnien auseinander zu halten.
Ich schweife ab.
Die Visualisierung meiner selbst entwickelt sich, mein Aussehen ist subjektiv und variabel. Jeder darf sich seine eigene Dora im Kopf zusammen bauen und Bilder ignorieren, die das eigene Bild stören. Ich bestehe nicht auf Konsistenz und lass jedem seine eigene Realität. Hauptsache, das Bild von mir ist schön, sonst gibts was auf die Nase.

Samstag, 19. September 2009

Realitätsinkompatibilitäten und volle Gläser.

Genug über das Jammern anderer gejammert. Ich mach' mir im Gegensatz zu ihnen meine Welt widdewidde wie sie mir gefällt. Wer seine Energie in eine ungefällige Welt steckt, ist Energieverschwender. Er (oder sie) lebt in einer Parallelwelt, die nur wenig Gemeinsamkeiten mit der gefälligen Welt lebensfroher Menschen hat.
Das Eigenweltmachen ist für ein virtuelles Mädel wie mich Existenzgrundlage. Ich genieße nicht den Luxus eines physischen Körpers, der auch ohne kreative Eigenleistung einfach so existiert. Die meisten Menschen sind sich ihrer weltschaffenden Tätigkeit nicht einmal bewusst. Sie glauben an wo etwas wie eine allgemeingültige Realität, die Ursache aller Wahrnehmung sei. Sie sind somit Zuschauer, nicht Akteure. Was passiert, wenn zwei Menschen, die unwissentlich in zwei Welten stecken, versuchen Konsens zu finden? Sie schlagen sich die Köpfe ein, denn jeder hat ja Recht, der andere natürlich nicht.
Wie es sich für eine brave radikale Konstruktivistin in der Tradition von P. Langstrumpf gehört, bringe ich meine Realität selbst hervor und akzeptiere, das andere in einem anderen - ihrem eigenen - Universum leben. Um so mehr sich unterschiedliche Realitäten überlappen, desto besser klappt's mit der Kommunikation. Ich meide zum Beispiel Leute, deren Glas halb leer ist. Bei mir ist es am liebsten ganz voll.

Dienstag, 15. September 2009

Stadtnegativisten verpisst euch!

Im Katechismus des Jammerns eines der größten Kapitel: Der Städtejammerer. Er ist Opfer des Ortes und dessen Einwohner, an welchem er gezwungen ist zu leben. Wo anders sind die Leute lebensfroher, aufgeschlossener, unspießiger, großzügiger und insgesamt einfach toller. Am liebsten würde man dort hin ziehen und will es sofort tun, wenn es die Umstände erlauben. Bis dahin trifft man sich mit Leidensgenossen und beweint Mentalität, kulturelles Angebot und Städtebau jenes Gefängnisses, in welchem man sich wähnt. Profis unter ihnen wechseln regelmäßig die Städte um immer aufs Neue zu lamentieren. Jede Stadt hat eine hässliche Seite, Stadtnegativisten sind Meister im Aufspüren dieser. Die schönen Seiten kennen sie eh nicht. Die gibts doch nicht, ist ja ne Scheißstadt.
Eine Bitte: folgt eurem Drang. Geht! Haut ab! Ohne euch ist die Stadt noch viel schöner.

Donnerstag, 10. September 2009

Besser leben mit positiver Lebenslüge


Ich jammer jetzt mal über das größte Übel der Menschheit: Das Jammern! Wie es scheint gibt es immer was zu jammern, egal auf welchem Niveau. Die Schlechtheit der Welt und der Menschen, außer einem selbst natürlich, sind schuld: Krise, Krieg, Not, Herzschmerz, Geldmangel, allgemeine Verrohung der Sitten. Man selbst ist Opfer. Wer der Welten Schlechtheit nicht sofort zustimmt ist oberflächlich, nimmt den Ernst der Lage nicht ernst. Weltschmerz bindet man sich ans Bein und lässt sich in den Tiefgang ziehen. Zu dumm, dass es nur an der Oberfläche Luft gibt. Anderen geht es ja eh besser, die kriegen es ja in den Arsch geschoben. Tipp: Nimm mal den Korken aus dem Arsch, dann schiebt dir vielleicht auch einer was rein.

Durchsage im Verkehrsfunk: "Vorsicht, auf der A81 befindet sich ein Geisterfahrer".
Darauf der Fahrer:"Einer? Hunderte!"

Wenn die Welt zum Feind wird, sollte man sich mal Fragen: Sind alle anderen verrückt, oder bin ich es? Wer ersteres glaubt hat noch einen langen Weg vor sich.

Diagnose: Falsche Lebenslüge.
Jeder ist selbst für jene Lebenslüge verantwortlich, die er aus der Summe des Wahrgenommenen herausinterpretiert. Wer seine Lebenslüge aus allem negativ wahrgenommenen zusammenbaut hat den zweifelhaften Luxus sich aus der Eigenverantwortung stehlen und gemütlich im Selbstmitleid suhlen zu können. Glücklich wird man so nicht.

Nun gut, ab und wann darf man schon mal jammern und leiden, ein bisschen Opfer spielen. Der Spaß hört auf, wenn man das eigene Jammern ernst nimmt.

Negativlinge leben in einer Parallelwelt des Leids und Elends. Schuld ist das Maß, in dem sie die Welt vermessen. Hauptaufgabe ist, Schuld abzuwehren und auf andere abzuwälzen.
Sie mögen es nicht, wenn man Situationen, Menschen oder Dingen etwas Gutes abgewinnt. Sie suchen andere negative Mitleider oder versuchen Positivlinge in ihre düstere Welt zu ziehen. Wenn ich nicht aufpasse, kann mir ein schwarzer Vogel in fünf jämmerlichen Minuten den Tag verderben. Ich halte mir Jammerer so gut es geht vom Leib. Die sollten mal lieber an ihrer Lebenslüge arbeiten. Oder sich dabei helfen lassen. Wer den Psychologen scheut, kann sich ja von mir eine gute Lebenslüge andichten lassen. Ich bin da gut drin, denn:
Meine Lebenslüge ist eine schöne. Ich werde sie nicht von Negativlingen zerstören lassen. Sollen die doch alleine leiden, ich hab Spaß.

Sonntag, 19. Juli 2009

Ich will Urlaub!

Hier anzumerken: Ich bin urlaubsreif.
Ich will Sommer. Ich will nicht immer nur mit Google Earth verreisen. Ich will fliegen, nicht Mausrad drehen. Selber Bilder machen, nicht nur Panoramio gucken. Seit ich das letzte Mal in Shibuya war hat die Mode dort mindestens 13 mal gewechselt, ich brauch neue Overknees und Schulmädchenaccessoires. Ich bin modisch unterfordert! Und frustriert.
Genug gejammert, mein Kontingent an Selbstmitleid ist schon fast aufgebraucht. Positiv denken, lösungsorientiert und so weiter. Lösung: Einfach wegfahren. Mal schauen, was mir einfällt und wo ich mich ranhängen kann. Bin ja virtuell, das macht Alleinreisen etwas unpraktisch.

Feste Feiern bis wir fallen.




Vor einem Jahr eröffneten wir die Bütique mit einer Ausstellung der Fotografen Frank und Steff. Sie haben neben alten Arbeiten auch jene Fotos ausgestellt, die sie kurz zuvor im noch leeren Laden von unserer Mode fotografiert haben. Die Bilder waren super, wir haben noch mehrere Serien mit ihnen zusammen gemacht. Die Fotografin Tamara Arne, die bei der ersten Serie noch als Model im Kühlschrank posierte, fotografierte für uns erst unlängst eine Serie in einem trocken gelegten See. All das zusammen ist Stoff für die Ausstellung zu unserem ersten Geburtstag.
Kurzer Rückblick:

Auf dem Bild: Kühlschrank der Bütique, hat zur Eröffnung 100 Flaschen Prosecco gekühlt, dient heute der Accessoireaufbeahrung.

Zweite Ausstellung: Harald Zylka, Malerei, Weiber. Gute Party, zu viel Vodka. Zum ersten Mal unter dem Namen "Galerie Dora Asemwald" ausgestellt.

Keine Ausstellung, aber trotzdem gute Feier.

Dritte Ausstellung: Svenja Eckert. Der Laden war voll wie nie zuvor.

Danach stellte die Bütique am 8. Mai die Mode von Skurril vor, es gab jedoch keinen Flyer. War trotzdem voll. Flyer sind überbewertet. Es sei denn, man kann Notizen drauf machen oder ihn zerknüllen und anderen an den Kopf werfen.

Fotos von den Veranstaltungen sammel ich bei Facebook. Die sind derzeit frei zugänglich unter: http://www.facebook.com/pages/Stuttgart-Germany/Butique/68049330961#
http://www.facebook.com/pages/Stuttgart-Germany/Galerie-Dora-Asemwald/56117477842?ref=s#

Wer keine Angst vor gläsernem Menschendasein hat, findet mich unter http://www.facebook.com/dora.asemwald.

Montag, 6. Juli 2009

Bloggerkollegen

Zwei Freunde haben jetzt auch einen Blog: Frank und Steff. Sie sind Fotografen, man kann dort Bilder von ihnen sehen.
http://www.frankundsteff.blogspot.com/

http://www.frankundsteff.de/

Dienstag, 16. Juni 2009

Fleisch, Diaschau, Blut



Neues Feature: Diaschau am Blogrand. Der Nutzen ist fragwürdig, aber was technisch machbar ist wird bekanntlicherweiße auch gemacht. Wie hier eben.

Seit ich mein virtuelles Leben im Facebook ausbreite, lerne ich stets neue Leute kennen. Oder besser: Sie wollen mich sogar kennen lernen, wie ich ihren Freundschaftsanfragen entnehmen kann. Das freut mich. Manche melden sich dann auch ab und zu bei mir, anderen scheine ich ein weiterer kleiner Baustein im Wettbewerb der meisten Kontakte zu sein. Ein Freund erzählte mir neulich beim Kaffee, es gäbe da den einen oder anderen Kontakt, der sich der kleinen Nebensache meiner Virtualität nicht ganz bewusst sei. Selber schuld - es ist ja nicht so, als ob man das nicht innerhalb von fünf Minuten rausbekommen könnte. Ich freu mich, wenn Leute einfach so über meine Immaterialität hinweg blicken und mich wie jeden anderen Menschen behandeln. Weiter so, Fleisch und Blut sind eh überbewertet.

Freitag, 15. Mai 2009

Avatar - Profil 1:1

Anfangs wars im virtuellen Raum öd und leer. Außer ein paar Freaks der Rasse „Early Adopter“, die sich dort mit Belanglosigkeiten rumgeschlagen haben, war da wenig los. „So ein Blödsinn, damit verschwende ich doch nicht meine Zeit. Außerdem werf ich doch nicht jedem meine persönlichen Daten in den Rachen." Das war die typische Aussage vieler meiner Facebook-kontakte, bevor sie sich dazu entschlossen, täglich fünf Umfragen mitzumachen und sieben mal ihren Status zu aktualisieren. Nun gut, das läuft ja immer so. Handys sind ja auch nicht mehr peinlich und Zugfahren kann trotz hoher Geschwindigkeit ohne Gesundheitsschaden überstanden werden. Meistens jedenfalls.
Mit Facebook hat sich schlagartig eine virtuelle Welt entwickelt, die gar nicht so aussieht wie erwartet. Kein 3D, kein Avatar, kein Second Life. Wirklich nicht? Avatare präsentieren ihren Schöpfer im Internet. Profile auch. Die können sich zwar nicht pixelig durch virtuelle Landschaften bewegen, sind aber eher künstliche Konstrukte als Abbilder ihrer Schöpfer. Diese Konstrukte sind die Summe aller Aussagen, Statusmeldungen, Gruppenzugehörigkeiten, Fotos, Kommentare, sie brauchen keine 3D-Visualisierung. Sie sind abstrakt und entstehen in den Köpfen ihrer Betrachter.
Einspruch eines meiner Facebook-Kontakte: Avatare seien Alter Egos, gespielte Rollen, hinter denen sich der Nutzer versteckt. Profile würden versuchen, den „realen“ Menschen abzubilden.
Ich widerspreche. Beides sind Abbildungen eines Menschen, Avatar und Profil sind beides Komminkationskanäle im virtuellen Raum. Der Unterschied ist letztendlich der Grad der Abstraktion. Der Übergang zwischen Avatar und Profil ist fließend. Ein Avatar ist eine digitale Visualisierung einer Person, ein Profil lässt das Bild meist erst im Kopf des Betrachters entstehen. Auch hier versteckt sich der Mensch hinter seinem virtuellen Abbild. Virtuell flirtet es sich deshalb für viele einfacher als in Fleisch und Blut.
So, jetzt geh ich noch einen Schritt weiter:
Ähnlich einem Profil ist auch die Kleidung, die man trägt. Wir wählen bewusst aus, wie wir uns kleiden. Auch hier gilt: Man kann nicht nicht kommunizieren, auch die Verweigerung des Selbstausdruckes durch Kleiderwahl sagt etwas aus. Das selbe gilt für Waren, die wir konsumieren und Meinungen, die wir kundtun. All das sind Facetten unseres persönlichen Ausdrucks, den wir gewollt oder ungewollt gegenüber der Welt absondern. Die Abbilder unserer Persönlichkeit entsteht in den Köpfen jener, die uns wahrnehmen.
Kurzum: Ob Avatar, Kleidung, Profil oder politische Meinung, es ist alles das selbe. Man sollte sich davor hüten, unterschiedlichen Ausdrucksformen einen Grad an „Realität“ zuzuweisen. Ich kann keine Grenze zwischen virtuell und materiell erkennen.

Donnerstag, 23. April 2009

Dorisches Treiben der letzten Woche.




Nichts los im Blog? Stimmt. Ich hab mich auf Facebook rumgetrieben und die Welt der Trivialitäten ergründet. Auch das Twittern hab ich gelernt, aber mangels Verfolger einschlafen lassen. Meine Galerie hat auch schon länger keine Vernissage über sich ergehen lassen, es hängen immer noch die wunderschönen Porträts von Svenja Eckert. Das freut mich, ist Svenja doch nicht nur eine gute Fotografin sondern auch eine tolle Frau, die in diversen rocklastigen Tanzlokalen für gute Musik sorgt. Ansonsten verbreite ich mich in Form von Kärtchen, die man gerne in meinen Lieblingslokalitäten finden kann: das Erdgeschoss, die Café-Bar, das Libero, Transit, Schocken, ... Naja, überall halt, wo's nett ist und nicht von Idioten überflutet ist, die weibliche Trophäen mit ihrem AbteilungsleiterbeimBoschDaimlerPorscheGehalt in die Kiste locken wollen. Mir graut schon, wenn das Bravo Charlie wirklich mal geschlossen werden soll, wo dann jene Klientel zukünftig zum Resteficken hingeht.
Ich nehme mir natürlich vor, hier in Zukunft wieder häufiger zu schreiben, aber wer bis dahin mehr von mir wissen will, kann das über diese Kanäle tun:

http://www.facebook.com/people/Dora-Asemwald/713449609
http://twitter.com/Doralaetitia

Dienstag, 24. Februar 2009

Fern des Schwellenalters in Ruhe altern.

Ich habe übrigens am Mittwoch (25.2.) Geburtstag. Im Gegensatz zu Harald verrate ich mein Alter: Ich werde 34. Das ist noch weit genug weg vom nächsten Schwellenalter, das 30er-Trauma ist überwunden oder verdrängt. Zugegeben, meine Mimik hat diverse Spuren in meiner virtuellen Haut hinterlassen, aber ein Leben ohne Gesichtsverzerrungen wäre mir zu langweilig und wahrscheinlich schlicht unmöglich. Ich müsste meinen nicht gerade minimal gestalteten Mund öfters halten und dürfte beim Klugscheißen die Stirn nicht mehr in Falten werfen. Ne. geht nicht. Ich mach mal weiter so, die Sorgen verschiebe ich bis die 40 sich von der fernen Zukunft in temporale Sichtweite begeben hat.
Wer Lust hat, mir mit zu feiern, der soll sich melden: dora.asemwald@gmx.net.