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Sonntag, 22. Januar 2012

Direkte Absurdität



Heute gesehen: Top-Argument gegen direkte Demokratie. Nicht das ich denke, dass Kinderschändern Gnade widerfahren sollte, aber es ist schon erschreckend, wie man die zivilisatorische Errungenschaft der Abschaffung der Todesstrafe so einfach infrage stellt, wenn die Emotionen hochkochen. Wie viele zu Unrecht wegen Kinderschändung Verurteilte wären wir bereit zu töten, um dem Auge um Auge-Prinzip gerecht zu werden? So lange es kein fehlerfreies Rechtssystem gibt, ist so eine Forderung absurd. Eine Volksabstimmung zur Todesstrafe nach einem durch die Medien gejagten Schändungsfall ergäbe ein eindeutiges Ergebnis, nach der posthumen Rehabilitierung eines Unschuldigen sähe es genau anders rum aus. Auf wie viele Priester würde dann das Schafott warten? Vielleicht wäre es sinnvoller, die Verfolgung solcher Fälle zu vereinfachen, jene die solche Fälle vertuschen härter ran zu nehmen (würde der Kirche auch nicht gefallen) und besser abzuwägen bevor ein Kinderschänder wieder auf freien Fuß gesetzt wird. Das ist komplexer und lässt sich halt nicht so einfach auf eine Autoscheibe neben ein kulleräugiges Mädchen drucken. Ich bin froh, dass das Volk nicht mit so diffizilen Fragen überfordert wird und dann die Bildzeitung und RTL entscheiden, wo's lang geht.

Montag, 12. September 2011

Ausflug auf's Land

Irgendwann, wohl dieses Jahr noch, soll wohl das ganze Land befragt werden, wo in Stuttgart in Zukunft die Züge fahren sollen. Mich fragt niemand, ob in Konstanz oder Künzelsau die Stadt auf links gedreht werden soll. Ehrlich gesagt: Es interessiert mich auch nicht. Ebenso wenig interessiert es den Münsinger, wie rum in Stuttgart die Gleise liegen. Auch wenn er dafür zahlen muss, wenngleich natürlich indirekt. Trotzdem wird er gefragt. Ob er antwortet oder nicht. Ob er von der komplexen Materie Ahnung hat oder nicht. Das doofe: Ein Drittel aller Wahlberechtigten, also 2,5 Millionen müssen gegen den Erdbahnhof sein, sonst geht die Wahl automatisch zu Gunsten des Milliardenprojektes aus. Auch wenn sich viel weniger dafür entscheiden. Demokratie geht anders.

Wir haben keine Chance. Nutzen wir sie. Sagen sich auf jeden Fall ein Haufen Erdbahnhofsgegner. Das gefällt mir! Sie wollen auf's Land ziehen und das dort hintragen, was dort zu diesem Thema verständlicherweise Mangelware ist: Information. An Infoständen im ganzen Land wollen sie mit potenziellen Wählern reden. Sie suchen auch noch Leute, die die Idee unterstützen und sich beteiligen wollen:

volksabstimmung-s21.org