Dienstag, 23. November 2010

Mehr Transparenz bitte!

[caption id="attachment_6071" align="aligncenter" width="640" caption="Die Jungs von BFE-TV filmen wie ihre Kollegen Parkschützer vermöbeln."][/caption]

Heute beginnt der parlamentarische Untersuchungsausschuss zum umstrittenen Polizeieinsatz im Stuttgarter Schlossgarten am 30. September. Es wurden Aufnahmen der Polizei und vom SWR gezeigt, anschließend tagt das Gremium unter Ausschluss der Öffentlichkeit. So weit, so gut.

Was ist mit all den Aufnahmen, die Demonstranten gemacht haben und auf YouTube gestellt haben? Viele Geschehnisse wie die Knüppelattacke des glatzköpfigen Polizisten sind nur dort zu sehen. Wie kann es angehen, dass hauptsächlich das Material der Polizei ausgewertet wird, welche doch selbst auf der Anklagebank sitzt? Wahrscheinlich sind denen Privataufnahmen nicht offiziell genug. Gute Ausrede. Und auf welcher politischen Seite der SWR steht ist ja auch hinlänglich bekannt.

Wackliges Vertrauen
Ich frage mich auch warum das Gremium hinter verschlossenen Türen tagt. Hier besteht doch ein großes Interesse in der Öffentlichkeit. Warum übertragen die das nicht einfach live wie die Schlichtung? So könnten sie dem Vorwurf, dass sich die verantwortlichen Politiker aus der Affäre mauscheln schnell entgegentreten. Aber dann könnten sie ja nicht mehr mauscheln. Sollten die Verantwortlichen sich dort aus der Verantwortung stehlen wird das eh schon wacklige Vertrauen der Bürger in die Arbeit der Regierung vollends verloren gehen. Und da es keiner mit ansehen konnte, wird der Zweifel am Untersuchungsausschuss haften bleiben.

Die Leute gehen auf die Straße weil sie das Vertrauen in ihre gewählten Vertreter verloren haben. Den Ruf des Lügenpacks hat sich unsere Regierung redlich verdient. Das einzige was da noch helfen kann ist Transparenz. Die Schlichtung mit Heiner Geißler ist ein gutes Beispiel dafür. Die nüchterne Übertragung durch Phoenix oder Flügel TV erlaubt es dem Zuschauer sich unabgelenkt durch suggestive Bildregie ein Bild der Situation zu machen. Die Interpretation der Medien des geschehenen wird immer weniger gewünscht, da sie nicht neutral zur Sache stehen. Die Leute wollen sich ein eigenes Bild machen.

Uninszenierte Transparenz
Das Internet macht es möglich. Flügel TV zeigt, dass Fernsehen auch ohne große Mittel produziert werden kann. Die mangelnde Inszenierung der Low-Budget-Übertragung macht sie sogar noch glaubwürdiger. Viele Leute sind stark inszenierte Infotainmentformate wie Anne Will satt, die durch ihre Bildregie und Einspieler mit dramatischer Musik die Objektivität dem Unterhaltungswert opfern. Die Hoheit über politische Information darf nicht in den Händen weniger großer Medien bleiben. Demokratie bedeutet auch demokratische Medien. Dank dem Internet kann heute jeder Journalist sein. Die Qualität selektiert sich von alleine aus, denn wer schlecht berichtet wird einfach nicht mehr angeklickt.

Das Internet revolutioniert den Informationsfluss und somit auch die Art und Weise wie Regierungen mit den Volk kommuniziert. Kein Wunder also dass der Staat mit allen Mitteln versucht das Netz zu kontrollieren. Das geht zum Glück nicht so einfach. Die Zeiten des Gemauschels in dunklen Kammern sind hoffentlich bald vorbei. Mal schauen wann das unsere Regierung auch kapiert. Transparenz und Ehrlichkeit könnten doch auch als Chance genutzt werden das Vertrauen der Bürger wieder zurück zu gewinnen. Zeit zum Umdenken!

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