Dienstag, 23. November 2010

Gefühlte Sicherheit

 

Wie unlängst schon geschrieben ist Terror mal wieder en vogue. Besonders beliebte Anschlagsziele sind öffentliche Verkehrsmittel, der Klassiker unter ihnen das Flugzeug. Man kann es entführen und wenn es explodiert geht viel plakativ kaputt. Damit wir nicht vergessen dass Terror hinter jeder Ecke droht und ein starker Staat uns davor bewahrt, gibt es einen Haufen lästiger Sicherheitsbestimmungen. An jeder Flughafenecke wird man durchleuchtet, in Amerika nutzen sie mittlerweile Nacktscanner. Deren Bilder gelangen dann auch mal aus Versehen ins Internet. Wer nicht mitmachen will muss sich abtasten lassen – Genitalien inklusive. Zahnpastatuben und Wasserflaschen stehen generell unter Terrorverdacht. Neulich musste ich beim Umsteigen in London den räudigen Schnaps aus dem Duty-Free-Laden am Pekinger Flughafen ausleeren lassen. Chinesischen Schnäpsen wird Terrorpotenzial unterstellt. Dem will ich mal nicht widersprechen. Man soll wohl das Gefühl bekommen, die tun was für unsere Sicherheit.

Währenddessen kümmert sich keiner drum was in der Luftfracht so transportiert wird. Hat man ja unlängst gesehen. In den USA wurde ich mal beim betreten eines Flughafens minutiös von wichtigtuerischen Sicherheitsleuten durchleuchtet. Im Abflugbereich gab's dann einen Stullenschmierer mit offener Küche in der jene Messer rumlagen die man braucht, um riesige Würste für den amerikanischen Hunger in einem Hieb zu zerteilen. Mit ein bisschen weiblicher Ablenkung hätte man ein Messer mopsen und in jedes Flugzeug schmuggeln können. Es geht offensichtlich eher um die gefühlte Sicherheit. Oder darum, stets zu spüren dass der Terror hinter jeder Ecke lauert, jedoch ein starker Staat uns, ungehindert von lästigen Bürgerrechten, davor bewahrt.

Ich hab mir mal überlegt was noch so alles kommen kann:

  • Eines Tages wird ein Bombenleger Plastiksprengstoff in Kondomen verpackt verschlucken um ihn ins Flugzeugklo zu schmuggeln. Passagiere dürfen dann nur noch nach Darmspülung an Bord.

  • Ein darmgespülter Terrorist nimmt seine Hose und erwürgt damit den Piloten und entführt das Flugzeug. Papierkleidung wird Pflicht.

  • Ein Kung-Fu-Meister des Terrors, darmgespült in Papierklamotten vermöbelt Kapitän und Crew. Zukünftige Passagiere werden präventiv gefesselt oder sediert.


Das doofe ist dass sich niemand traut, das alles in Frage zu stellen. Wenn was passiert will ja keiner dem Vorwurf ausgesetzt sein, man sei zu nachlässig gewesen. Schöner Nebeneffekt an der Omnipräsenz der Kontrolle: Der verängstigte Bürger ist eher bereit, seine Freiheit und seine Rechte an den Staat abzugeben. Und auf diese Extraportion Macht verzichten einige Politiker nur ungern.

Fluggast, der sich gegen Nacktscan und grabschen geweigert hat: http://johnnyedge.blogspot.com/2010/11/these-events-took-place-roughly-between.html
Spiegelartikel zum Thema: http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,729445,00.html
Nacktscannerbilder im Netz: http://gizmodo.com/5690749/

Kommentare:

  1. oh Dora, Du hast ja so recht. Das sind meine Gedanken schon seit Jahren. Ich bin ja viel in den Staaten unterwegs und aergere mich jedes Mal ueber diese inkonsequenten, gaengelnden und menschenverachtenden Praktiken. Und unten geht rein was will.
    Kapierts endlich, es gibt keine Sicherheit. Niemals.
    Und dann denkt nen Schritt weiter, wie gefaehrlich ist die Fahrt zum Flughafen?

    Ich bin kein Schaf und ich will auch keins sein.
    In diesem Sinne: maeh (wenn ich mal wieder in der Schlange vor der Sicherheitskontrolle stehe)
    Vielleicht machen ja noch welche mit? Maeht wenn Ihr in der Schlange steht. Auja, lass uns einen dauernden Flashmob daraus machen....
    oh jetzt werde ich aber "excited"......

    AntwortenLöschen
  2. Die einzige Konsequenz aus diesem Schwachsinn ist Streik und das heißt: nicht mehr fliegen! Bleibt unten - in diesem Falle. Ich persönlich gehöre zu den Leuten, denen Fliegen immer viel Spaß gemacht hat. Aber auf einen Flughafen bekommt man mich nur noch, wenn es unausweichlich ist... Erst wenn den Fluggesellschaften die Touries wegbleiben und die Gewinne der Fluggesellschaften einbrechen, wird sich was an dem Terror des Antiterrors ändern.

    AntwortenLöschen