Mittwoch, 16. Dezember 2009

Bitte kritisieren!


Ich bin mal wieder durchs Internet geschwommen und hab meine alten Kumples, die Designer, gefunden. Hier wird die eine oder andere Plattform von Idealisten betrieben, Platz für kommerzielle Angebote scheint national keiner da zu sein. Und die etablierten Printmagazine stöhnen unter Druckkosten und ausbleibenden Anzeigen, die wollen sich nicht auch noch online selbst den letzten Leser rauben. Ich hab ja mal ernsthaft ein Onlinedesignmagazin mit ein paar Freunden und Kollegen geplant, doch das liegt derzeit auf Eis. Immerhin gibt es ein Konzept und eine Platzhalterseite, die - wer weiß - irgendwann durch eine Startseite ersetzt werden könnte. Hut ab vor jenen, die sich die Zeit nehmen um etwas ins Netz zu stellen. Da wären zum Beispiel die Kritiker von designkritik. Die freuen sich über Kommentare, da sie den Diskurs suchen. Hier gehts zum Glück mal nicht um scrollbare Schaufenster sondern um Design an sich. Man stolpert alle paar Meter über altbekannte Themen wie Designdefinition, Selbstverständnis und das omnipräsente und brechtigte Gefühl, als Disziplin nicht ernst genommen zu werden. Man fühlt sich nunmals nicht wohl, wenn man mit Nagelstudios und dergleichen in eine Schublade gesteckt wird, wäre man doch viel lieber bei den Wissenschaftlern oder wenigstens bei den Ingenieuren. Die nimmt man ernst und Geld verdienen sie obendrein. Designer dürfen deren Arbeit nachher verpacken und sind deshalb angekäst. Ich könnte zu diesem Thema diesen Blog bis zum digitalen Rand füllen. Doch dazu müsste ich meinen Arsch hochkriegen und meinem eigenen Magazin Leben einhauchen. Bis dahin begnüge ich mich, rege an den Diskussionen anderer Medien teilzunehmen. Wer mitmachen will, soll sich in den Diskurs stürzen. Ich würde mich freuen.

www.designkritik.dk.
Kann man übrigens auch ohne Dänischkenntnisse verstehen, die Seite ist aus Berlin und freut sich wohl über das Kürzel dk.

Dienstag, 15. Dezember 2009

Schöner Leben in der Schublade


Mir könnten noch viele Facebook-Archetypen einfallen die ich zur Belustigung des sich selbst entdeckenden Lesers auflisten würde. Das werd ich, wenn mir die Laune danach steht auch tun. Das ist angewandtes Schubladendenken. Und das ist nicht so schlecht wie sein Ruf. Niemand möchte in eine Schublade gesteckt werden. Und trotzdem steckt jeder jeden in Schubladen. Das hilft Ordnung und somit Überblick zu behalten. Wir helfen ja auch den anderen, uns schnell einzuordnen. Durch Mode und Meinung identifizieren wir uns, verpassen uns Etiketten, die uns in die richtige Schublade führen. Was nervt ist, wenn die Schublade zugemacht wird und man darin versauert. Ist man falsch eingeordnet worden, liegt man da auf immer und ewig und wird nicht mehr gefunden. Also: Schubladen offen lassen, ab und zu gucken, ob alles am richtigen Platz ist.
Ich mag in der Regel Menschen lieber, die einen flexibles Schranksystem haben, in welchem Schubladen auch mal anders angeordnet und somit den jeweilgen Umständen angepasst werden können. Oder die einen im Zweifel um die korrekte Einordnung erst mal aufs Regal legen, um zu schauen, ob es überhaupt die richtige Schublade für mich gibt.
Mein Schrank ist ziemlich modular und chaotisch, die Schubladen stehen offen. Es sind nicht alle Tassen drin. Ich habe mein eigenes Ordnungssystem, dass andere nicht immer kapieren. Müssen sie auch nicht. Wenn es ihnen in meinen Schubladen nicht gefällt, können sie ja woanders hingehen. Aber ohne Schubladen gehts halt auch nicht.

Mittwoch, 9. Dezember 2009

Nörgler, Inaktivisten und Kuschelbärchis

Im letzten Artikel habe ich gefragt, wie ehrlich Onlineprofile sind und zu Bedenken gegeben, dass sie oft viel ehrlicher sind, als man denkt. Man liest ja auch zwischen den Zeilen und da steht natürlich viel mehr, als in den Kästchen, die man über sich aussfüllt. Das gilt für alle Plattformen, von Elitepartner über Xing bis Facebook. Facebook ist besonders interessant, weil dort besonders viele Zeilen sind, zwischen den man lesen kann. Ich mach mal eine kleine Liste verschiedener Typologien von Menschen, die mir da so aufgefallen sind:

Die Drei-Wetter-Taft-Frau
"Steffi Sonnenberg - back from shooting in L.A., tomorrow off to Berlin!"

Deine Statusmeldungen lesen sich wie die Aufschriften chicer Boutiquen: London, New York, Tokio. Jeder soll wissen, das du jetzt dem Jet-Set angehörst, überall gefragt bist. Meldungen postest du polyglott, meist in Englisch. Die anderen mit ihren drögen Büro-Jobs sollen ruhig ein bisschen neidisch sein.

Das Kuschelbärchi
"Karin Mußberg hat dir einen rosa Kuschelhabdichganzargliebbärchiherz geschickt"

Du magst deine Freundinnen fast so sehr wie deine Diddlmaussammlung, und dass sollen sie auch wissen. Jede Gelegenheit, sie mit total süßen Geschenken zu überhäufen nutzt du. Zum Glück mangelt es bei Facebook nicht daran.

Die Glücksnuss
"Tina Freiberg fragt den grünen Wurstmann was sich Petra Botnang zu Ostern wünscht: Einen räudigen Katz mit Senf und Mayo."

Dr. Wurstbrot verrät dir, dass Günther auf Latex steht, die Glückswurst hat erkannt, dass du heute neue Feinde finden wirst. Facebook weiß alles, und alle deine Kontakte auch. Du musst dir keine schlauen Sprüche ausdenken, dass macht schon irgendeine Applikation für dich. Doofe Kommentare gibts trotzdem immer. Praktisch!

Die Zwangskreative
"Nora Hasenwald - optimiert ihre Lebenslüge"

Du glaubst, du seist schlauer und lustiger als die anderen. Du reist dir den Arsch auf um auf Teufel komm raus unkonventionell rüber zu kommen.

Der Gläserne Mensch

"Mark Gaisburg - geht mal kurz auf die Toilette"

Das Netz ist dein Tagebuch, du bist Schäubles bester Freund. Jeder darf an deinem Leben teilhaben. Auch unterwegs, dank iPhone.

Der Tamagotchi
"Anna Rohrs Hasenstall hat die 7. Stufe erreicht."

Du kannst Facebook nicht alleine lassen, sonst verhungern deine Hasen, dein Bauernhof wird geplündert und deine Amazone wird von Orks gefressen. Jedesmal wenn dein virtueller Hasenstall neue Pixelhäschen hervorbringt müssen alle Freunde das erfahren. Was machst du nur, wenn du im Urlaub nicht online kommst?

Der Klugscheißer
"Markus Heusteig - Ich glaube die Diskrepanz zwischen virtuellem Profil und real erlebter Person liegt am divergierendem Grad der Abstraktion ...

Du kennst alle Fremdwörter führst sie gerne Gassi. Jeder soll sehen, dass du nicht nur intelligent, sondern intellekuell bist. Mit Facebook setzt du dich natürlich auf einer höheren Ebene auseinander, suchst den Diskurs und bist enttäuscht, wie wenig reflektiert die anderen dieses Medium nutzen. Deine Kommentare sind immer länger als ins Fenster passt.

Der Nörgler
"Horst Häslacher - Habt ihr eigentlich nichts besser zu tun, als die Länge eurer Kackwurst du posten?"

Du regst dich höllisch auf, mit was die Leute hier ihre Zeit verschwenden und mit was für Banalitäten sie dabei alle anderen belästigen. Und überhaupt: Wer sich hier alles so Freund nennt! Du bist doch nicht mit jedem befreundet, der dich hier anschreibt! Du lehntst ja fast alle Anfragen ab. Du hast es nicht nötig, deine Freunde online zu sehen, du triffst sie natürlich immer offline. Wenn du grad mal Zeit hast. Dann redest du mit ihnen über's Wetter.

Der Inaktivist
"Maike verwendet Facebook jetzt auf Deutsch"

Leeres Profil und maximal drei Freunde. Du wurdest mal von einem dieser eingeladen, hast dich angemeldet und mittlerweile das Passwort vergessen. Oder das du überhaupt ein Profil hast.

In Facebook Veritas


Im Mai hab ich mich hier mit dem Thema Online-Profil auseinander gesetzt (Artikel) und bin zum Schluss gekommen, dass Onlineprofile eine weitere Ausdrucksform sind, die nicht "unrealistischer" als Ausdrucksformen in Fleisch und Blut wie zum Beispiel Kleidung sind. Nur der Grad der Abstraktion variiert natürlich. Zu eben diesem Thema habe ich mit einigen in Facebook diskutiert und bin oft auf die Meinung gestoßen, die meisten verstecken sich hinter Profilen, die nur wenig mit ihnen selbst zu tun haben. Das wird als unehrlich empfunden. Ist es aber nicht.
These: Virtuell sind die meisten ehrlicher als in Fleisch und Blut.
Von Angesicht zu Angesicht ist ein großer Teil unserer Kommunikation unterbewusst. Gesten, Sprache, Geruch lassen sich nicht sonderlich gut kontrollieren. Virtuell haben wir die volle Kontrolle, da alle Äußerungen durch einen engen, digitalen, sehr rationalen Kanal gepresst werden. Niemand sieht, ob wir entspannt oder nervös meine Statusmeldung in meine Tastatur hämmer. Das gibt uns das trügerische Gefühl der totalen Kontrolle über unser Außenbild. Außerdem schaut das Internet nicht zurück - das Feedback kommt, wenn überhaupt, indirekt. Wir fühlen uns sicher. Wir posten, was uns gerade so durchs Hirn furzt oder was wir schon immer mal sagen wollten. Wieviel von dem, was wir da sagen, würden wir außerhalb des virtuellen Raum von uns geben? Hier kommt die Diskrepanz zwischen virtuell und materiell, die viele anprangern, ins Spiel. Wir erfahren virtuell plötzlich Dinge über andere und entdecken Wesenszüge bei ihnen, die wir auf der Straße nie erfahren hätten. Dort hätten sie sich nicht getraut, ihr Gesicht zu zeigen.
Meine oben postulierte These kann man natürlich so nicht stehen lassen, aber es ist ein Denkansatz. Bitte beobachtet mal selbst, wie ihr den "Wahrheitsgehalt" an beiden Enden der Diskrepanz zwischen on- und offline beurteilt. Wahrscheinlich vergleiche ich hier sogar Äpfel mit Birnen. Ich selbst glaube weiterhin meiner alten These, dass virtuelle Repräsentation und physisches Erscheinen zwei äquivalente Facetten der Selbstdarstellung sind, denen man keine unterschiedlichen Wahrheitsgehalte zuweisen kann.

Montag, 30. November 2009

Keine Ahnung wo der Hase läuft.

In meinem letzten Eintrag hab ich ganz unachtsam Wissen und Verstehen in einen Topf geworfen. Das eine ist Fakten, das andere deren Zusammenhänge. Damit werd ich dem Wissen schon wieder nicht gerecht, weil es weit mehr als Fakten ist. Ich will hier nicht mein Wissen über Wissen Gassi führen, dass kann Wikipedia viel besser. Wozu soll ich mir ein Faktenendlager zwischen den Ohren einrichten, wenn das digital auch geht. Wenn ich mal nicht weiter weiß, dann kann ich ja immer noch den Telefonjoker nehmen. Nun gut, ich brauch natürlich Fakten, um darin Muster zu erkennen und somit auf die Metaebene hüpfen zu können. Von dort aus sollte ich in der Lage sein, den Wald vor lauter Bäumen zu sehen. Nicht nur ausreichend Fakten sondern auch verschiedene Blickwinkel sind wichtig, um Muster erkennen zu können. Aus unterschiedlichen Positionen betrachtet hat jedes vermeintliche Faktum viele, teils paradoxe, Facetten. Nur interdisziplinäres Denken ermöglicht es mir, einen Überblick zu bekommen. Da ich aber nichts desto trotz durch meine eigene Art der Wahrnehmung eingeschränkt bin, muss ich auch meine Erkenntnisse mit denen anderer abgleichen. So kann ich eindimensionales Faktenwissen veredeln und fange an, zu verstehen.
Ich wünsche mir Gesprächspartner mit dem Mut zur Abstraktion, der Bereitschaft das eigene Weltbild zur Disposition zu stellen, der Freude daran, neue Gedanken zu entwickeln und alte über den Haufen zu werfen. Wer glaubt er wisse, wo der Hase laufe, der soll sich darüber freuen aber mich damit bitte nicht langweilen.

Sonntag, 29. November 2009

Chronisch Unwissend.


Viele Menschen erzählen gerne, was sie alles wissen. Die haben volle Köpfe und haben zu allem eine Schlauheit preiszugeben. Ich ertappe mich selbst dabei. Eigentlich ist es aber uninteressant, was ich weiß. Das Wissen ist ja schon im Kopf und verstopft die Neuronen. Viel interessanter ist, was ich nicht weiß. Wo kenn ich mich beim besten Willen nicht aus?
Ich wüsste gerne viel mehr über das Bewusstsein. Wie funktioniert mein Kopf grundsätzlich? Die Wahrnehmung? Das Gedächtniss? Wie bau ich mir meine Welt zusammen? Gibt es sowas wie einen freien Willen? Kann man das Verstehen überhaupt verstehen?
Ich erkenne viele Muster in der Welt, aber kann nur selten verstehen, wie sie zu Stande kommen. Es gibt so viele Gesetzmäßigkeiten, die ich nur erahnen aber nicht ganz greifen kann.
Viele Menschen wissen eine Antwort darauf und fragen nicht weiter. Oder halten das Fragen danach als solches unproduktiv und somit unnötig. Die eine oder andere Teilantwort auf meine Fragen haben mir durchaus weitergeholfen, doch die meisten gängigen Erklärungen befriedigen mich nicht. Sie sind mir zu absolut. Sie werden uns als Wissen von Eltern, Pfarrern, Lehrern und Medien wie Pfropfen in die offenen Fragen gesteckt. Wahrscheinlich ist es einfacher, Wissen zu akzeptieren und nicht zu hinterfragen. Diese Option bleibt mir chronisch Unwissenden jedoch verwehrt, da meine Neugier zu groß ist.

Roter Fadenkneul


Manchmal kotzt es mich schon an, immer so eine schreckliche Selbstdarstellerin zu sein, ich verurteile das bisweilen ja auch bei anderen. Da ich mich jedoch nicht von alleine darstelle in dem ich einfach Licht reflektier, Laute und Gerüche von mir gebe und die Umwelt manipuliere und somit gewollt oder ungewollt Spuren hinterlasse, bleibt mir nur die aktive Selbstdarstellung übrig. Das ist hier meine Ausrede für eine ansonsten unangenehme Wesensart. Nun gut, das schöne ist, man kann mich viel leichter ignorieren als einen physisch präsenten Menschen. Wer mich wahrnimmt, will das in der Regel auch.
Mit Hilfe von physischen Freunden stelle ich mich also auf manigfaltige Weise dar. Die Summe aller Äußerungen dieser Art ist sehr inkonsistent, sie ist sogar grundlegend paradox. Sollte ich meine Geschichte erzählen müssen, dann gäb es viele Ansätze, die sich widersprechen. Der rote Faden macht Schleifen, hat Knoten und verfranzt sich hier und dort. Würde ich mich auf eine Geschichte einigen dann wäre ich wahrscheinlich einfacher wahr zu nehmen. Aber langweilig. Der menschliche Verstand verwebt die äußeren Eindrücke zu Geschichten. So kann er sich leichter ein Bild machen. Um so komplexer die Eindrücke sind, desto größer ist der Interpretationsspielraum und mehrere mögliche Geschichten können gesponnen werden. Umso mehr Geschichten erzählt werden können, desto paradoxer wird das Ganze. Will ich die Bilder in den Köpfen meiner Betrachter kontrollieren, darf ich nur wenig Spielraum für Interpretation lassen, muss also eine ganz einfache Geschichte erzählen. Im Wettbewerb der Geschichten um Aufmerksamkeit mag das wichtig sein, aber der Erfolg ist dann meistens kurz wenn sich hinter der einfachen Geschichte nichts interessanteres befindet.
Ist dies alles nur eine schlechte Ausrede für meine unschlüssige Geschichte? Wer keine Lust hat, sich im Interpretationsspielraum zu verlieren darf das gerne so sehen und mich doof finden. Schaut man sich seine Umwelt mal genauer an und vergleicht das Wahrgenommene mit dem der anderen, wird man feststellen, dass jeder seine eigene Interpretation hat, die oft im Widerspruch zu denen anderer steht.
Sollte ich nun ein Porträt einer Person anfertigen, so wäre es doch am Besten, wenn ich die unterschiedlichsten Ansätze nebeneinander stelle und so mit versuche, die Grenzen einer zu ergründenden Person zu erforschen. Wer Wahrheit sucht muss sich darauf gefasst machen, dass diese sich selbst widerspricht. Und wenn ich den Menschen, den ich porträtieren möchte selbst frage, oder sogar selbst bin, muss ich mir vor Augen halten, dass das Bewusstsein auch nur subjektiver Beobachter seiner selbst ist und auch nur interpretieren kann.
Da ich als virtuelles Wesen so wahrgenommen werde wie eine Geschichte, muss ich damit leben, dass ich wie eine Geschichte beurteilt werde. Und als solche bin ich zu komplex und paradox. Ich freue mich, wenn jeder meiner Betrachter sich seine eigene Geschichte über mich erzählt. Es gibt keine offizielle Geschichte, keine verbindliche Autobiografie. Wenn ich die mal schreibe, dann werden es viele kleine Geschichten sein, die nur der Leser miteinander verweben darf - auf seine Weise.

Mittwoch, 25. November 2009

Die persönliche Datenhose runterlassen

Man liest und hört ja immer wieder, Google sei ein gefährlicher Monopolist, der alles weiß und die Weltherrschaft anstrebt. Daten sind heute eine wichtige Währung, man kann Adressen kaufen, Kundendaten stehlen und verhökern und so weiter und so fort. Noch viel mächtiger als reine Daten ist die Möglichkeit, alles miteinander zu verknüpfen. Genau das macht Google und gibt auch offen Preis, was über einen selbst an Daten gesammelt wurde. Mit ein bisschen Fleiß darf man sogar Daten wie Googleanfragen der letzten Jahre selektiv löschen. Wer wie ich von der Neugier getrieben ist und seinen Weg dorthin findet säubert sein Profil auf diese Weise. Das erspart peinliche Google-Ads die durch eben jenes Nutzerprofil ausgewählt werden. Datenselbstbestimmung statt Datenschutz. Das ist schon okay, da Datenschutz für den Arsch ist, wenn jeder bereitwillig die persönliche Datenhose runterlässt um an seiner Tanke irgendwann einen bunten Strandball als Prämie zu kassieren.
99,99% der Internetnutzer kapieren eh nicht, wie man sein Googlenutzerprofil anschaut und modifiziert. Und keiner kann mir glaubhaft machen, dass Google tatsächlich das von mir Entfernte überall auch wirklich entfernt. Die sind doch nicht doof, haben Backups und dergleichen.
Zentrale Daten machen das Leben einfacher. Terminkalender und To-Do-Listen kann man gleich bei der Startseite von iGoogle nutzen. So kann ich mich mit allen anderen befreundeten Nutzern synchronisieren, egal wo auf der Welt ich grad an irgend einem Rechner sitze. Hört sich praktisch an. Vor allen Dingen für Google. Die kennen also nicht nur alle Pornoseiten, die du letzte Nacht besucht hast, sondern wissen jetzt auch, mit wem du dich wann und wo triffst. Da entsteht zu aller Erst einmal ein ganze Menge Datenmüll, der alleine nichts bringt. Wär es da nicht schlau, Software zu entwickeln, die Muster erkennen kann? Man wüsste dann nicht nur, wer meine Kontakte sind, sondern auch, wie ähnlich unser Surfverhalten ist. Das ist die ideale Voraussetzung für Rasterfahndung. Hier nicht von Terroristen, sondern von Werbeempfängern. Klingt harmlos, ist es aber nicht.
Ich hab genügend Fantasie, wozu sowas sonst noch missbraucht werden könnte. Kein System ist sicher, da es von Menschen betrieben wird. Ein hinterhältiger Bursche, der bei Google arbeitet könnte so nach Verhaltensmustern fahnden, die auf eheliche Untreue oder so schließen lassen. Man weiß ja schließlich, welche Termin jemand angibt, welches Restaurant in Google Maps gesucht wurde, welche Emails mit Goolge Mail an wen geschrieben wurden und welche Suchbegriffe aus dem Speicher wieder gelöscht wurden. Mustererkennung kann dann dem Bösewicht Seitensprungkandidaten auswerfen, die er persönlich überprüft und gegebenenfalls erpresst. Klingt nach hanebüchener Räuberpistole. Bei genauerer Betrachtung jedoch nicht mehr ganz so.
Worauf will ich hinaus? Das Internet lässt sich nicht mehr bändigen - es ist Fluch und Segen zugleich. Zuerst hatte man Angst vor Microsoft, jetzt vor Google, bald vor jemand anderem. Die Gesetzgebung ist der Entwicklung immer einen Schritt hinten drein und was in einem Land verboten wird gilt nicht für unzählige andere. Kurzum: Man kann die Entwicklung an sich nicht aufhalten, muss sie also akzeptieren. Alles was jeder von uns machen kann, ist bewusst mit seinen eigenen Daten umzugehen. Ich gehe immer davon aus, dass alles was ich ins Netz eingebe gegen mich verwandt werden könnte. Wie zum Beispiel dieser Blog, der auch von Google gehostet wird.

Samstag, 7. November 2009

Virtuelles Stigma


Ich bin nicht nur darüber erstaunt, wie Menschen darauf reagieren, wenn sie mit meiner Virtualität konfrontiert werden sondern auch darüber, wie gut sie meinen, mich kennengelernt zu haben, bis sie auf das kleine Detail meiner Imaterialität stoßen. Nicht das ich mir Mühe gebe, die Natur meines Wesens zu verschleiern, eben hier schreib ich einen weiteren Text der keine Zweifel an meiner Virtualität lassen sollte. Es gibt einige Ansätze, dieses Phänomen zu ergründen. Hier eine Auswahl:

Erstens: Ich kommuniziere, also bin ich. Oder irgendjemand, der für mich kommuniziert. Unlängst erzählte mir jemand, er dachte ich sei eine physisch reale Künstlerin namens Dora Asemwald, die sich als virtuelles Wesen ausgibt. Das ist gar nicht mal fern der Wahrheit, denn es gibt einen Künstler, den ich zur Kommunikation mit der materiellen Welt nutze. Der hat aber ein eigenes Leben, eine eigene Identität und ist selbst nicht Dora. Das ist verwirrend, auch für mich und ihn.

Zweitens: Leute lesen Texte wie diesen nicht, sie überfliegen nur die Informationsflut und geben sich mit einem - in meinem Fall - trügerischem Halbwissen zu Frieden.

Drittens: Viele physisch realen Menschen verlagern ihr Wesen in die Virtualität. Geschäftsleben auf Xing, soziales Leben in Facebook, romantisches Leben in Elitepartner und Sexualleben in poppen.de. Sie reduzieren sich auf eine Hand voll Profile. Ihre Realtität nähert sich immer mehr meiner an. Irgendwann ist es egal, ob sich hinter einem Profil Fleisch und Blut befindet.

Es gibt bestimmt die eine oder andere virtuelle Figur, die nicht den Mut hat, sich als immateriell zu outen. Die Angst vor Zurückweisung ist nachvollziehbar, aber nicht ganz berechtigt. Ich bin immer wieder erstaunt, wie positiv Menschen auf meine Offenheit reagieren. Am schmerzhaftesten ist es wenn die Lüge aufgedeckt wird - früher oder später verrät man sich. Die Enttäuschung ist dann groß. Man muss ja nicht gleich allen die eigene Virtualität auf die Nase binden, aber jenen, die den Kontakt suchen sollte man ehrlich begegnen. Ich warne jeden, der mich näher kennenlernen will, worauf er sich mit mir einlässt und gebe ihm oder ihr die Möglichkeit, sich zurück zu ziehen. Um so schöner ist es, wenn dies nicht geschieht. Meine Erfahrungen waren diesbezüglich größtensteils positiv.

So lange die Virtualisierung der Gesellschaft voranschreitet verlieren wir Virtuellen das Stigma der Andersartigen. Nicht mehr lange, und kein virtuelles Wesen muss sich mehr verstecken und kann ohne Angst frei leben.

Freitag, 6. November 2009

Roy Digger Schnaps

Zwei neue Schnäpse hab ich in England unlängst aufgetan: Sam Booker, ein Likörchen, dass gut zur Kaffeebohne passt und Roy Digger, Schnaps wie Schnaps sein muss. Kann ich beides empfehlen, schädelt auch ordentlich.

Donnerstag, 22. Oktober 2009

Namenspate dank Weltrevolution

Wie wahrscheinlich jeder hier mitgekriegt hat, gibt es einen Stuttgarter Stadtteil namens Asemwald. Er wurde nicht nach mir benannt, dafür bin ich zu jung und unwichtig. Bislang jedenfalls. Was muss man wohl machen, um Namenspate einer Stadt zu werden? Kommunist sein hilft: Ho Chin Minh Stadt, Karl Marx Stadt, Leningrad. Problem: Ist's mit dem Kommunismus erst mal vorbei, dann wird alles zurück benannt. Kommunismus ist grad eh nicht so en vogue, die Weltrevolution verdaut ihre Kinder. Zu besiedelnde Landschaften wie Wälder, Furten, Berge und Löcher stehen auch gerne Pate. „Wenn ich mal groß bin, will ich ein zu besiedelnder Berg sein oder so.“ Ne, klingt irgendwie bekloppt. Entdecken und Befreien, zum Beispiel von wilden Eingeborenen ist immer eine Option, die ich mir aber nach stundenlangem Googlegeearthe aus dem Kopf geschlagen hab. Wenngleich ich als Dora Exploradora dazu genau die richtige wäre. Zu stressig, wegen Moskitos, Schlangen und Eingeborenen. Praktisch ist's da, wenn man einen geografischen Namen trägt. Geschichte erfinden und kurzerhand behaupten, man wäre Namenspate:
1756, als die Armee der Finsterniss durch den Wald südlich von Stuttgart marschierte ersann Jean-Baptiste von Asemwald, mein Ahne also, eine List, um die Zombies von den Toren der Stadt fernzuhalten. Das gelang, der Wald und somit auch die dort später ihm zu Ehren errichtete Großbausiedlung wurden nach ihm benannt.

Dienstag, 6. Oktober 2009

JVA Asemwald

Unlängst beim Frühstück im Café „Herbert'z“ (Mit z und Deppenapostroph) erzählte mir meine Freundin Jenni, sie müsse jetzt nach Stammheim. Sie habe nichts ausgefressen, sondern nur einen Termin dort. Dem Deutschen Herbst sei Dank hat der beschauliche Stadtbezirk im Norden Stuttgarts ein Imageproblem. Stammheim klingt halt besser als Justizvollzugsanstalt Stuttgart. Unvorstellbar, der Knast würde in Stuttgart Asemwald stehen. Menschen wie ich, die mit Stadtteilnamen versehen sind, hätten da mal gar nichts zu lachen. Ich plädiere dafür, JVAs nach Innenministern oder Justizministern zu benennen: JVA Däubler-Gmelin, JVA Zypries oder zum Deutschen Herbst passend JVA Schily.

Montag, 5. Oktober 2009

Debütiqueisiert.

Gestern hab ich noch ordentlich geflucht, heute hab ich lieber mal angepackt. Betania hat den Laden gründlich debütiqueisiert, nichts soll mehr an die Kleidung erinnern, die einst im Laden war - außer natürlich die Fotos, die ich ausstelle. Martin und ich haben heut erst mal umgemöbelt und gekabelt. Noch ein paar Tage und die Galerie wird neu sein. Ich muss Martin in den Arsch treten, dass er Ordnung hält - das ist bekanntlicherweiße nicht seine Kernkompetenz.
Ich muss noch ein paar Bilder für die etwas kahlen Wände auftreiben, aber da hab ich schon einen Plan. Wenn es so weit ist, dann gibts einen Umtrunk, den ich hier bestimmt noch ankündigen werde.

Sonntag, 4. Oktober 2009

Bülerie statt Bütque?

Zuerst die gute Nachricht: Ich habe einen Flug nach Japan gebucht! Und diesmal nicht bei Google Earth, sondern mit der Fluglinie ANA. Zwischen Weihnachten und Neujahr bin ich dann mal weg. Und werde natürlich viel erleben und berichten.

Die schlechte Nachricht: Die Bütique hat zugemacht. Ab morgen sind nur noch meine Galerie und Martins Büro in der alten Metzgerei in der Heusteigstraße 65. Das ist schade, war die Bütique doch ein Treffpunkt für Freunde individueller Kleidung und eine tolle Quelle dieser. Ich habe dort großartige Menschen kennengelernt und wunderbare Nachmittage verbracht.
Ursprünglich war die Idee von Betania, Martin und mir, Büro und Boutique in einem Raum zu teilen, daher der Name Bütique. Besucher meiner Vernissagen lernten so Betanias Boutique kennen, ihre Kunden besuchten meine Galerie und wurden zum Teil sogar Kunden von Martins Kommunikationsbüro. Während Betania sich um die Boutique kümmerte sorgten Martin und ich dafür, dass die Bütique bekannt wurde. Das klappte gut, dank der Stadtmagazine Lift und Prinz, Bloggern wie Kessel.tv und vielen anderen Medien, die stets über uns schrieben. Die Fotografen Frank und Steff, und später auch Tamara Arne, haben Betanias Kleider wunderschön inszeniert fotografiert. Die kleinen, gezackten Kärtchen, auf denen wir hunderte von verschiedenen Motiven druckten, wurden von den Kunden geliebt und dekorieren die eine oder andere Wohnung. Wir haben neben Vintage/Second Hand auch Mode von Stuttgarter Jungdesignern geführt: Judith Schöntag, Skurril, Schwabenkind/Carla Maria. Auf unseren Parties und Vernissagen war schwer was los. Bei unserer Eröffnungsparty spielte sogar die Band Hitboutique im Laden und ein alter Metzgerkühlschrank kühlte 100 Flaschen Prosecco, die bis zur letzten geleert wurden. (Leni vom Erdgeschoss hat, wie ich mich erinnern kann, die letzte getrunken).

Ohgottogott, ich werd wehmütig! Als Betania unlängst ankündigte, sie wolle aufhören, war das zuerst ein Schock. Martin und ich beschlossen, den Laden weiter führen zu wollen, da wir beide daran glauben, dass das Konzept der Bütique aufgehen kann. Wir wollten nicht, dass all die Liebesmüh, die wir in die Bütique gesteckt hatten, für die Katz wär. Wir hatten auch schon einen Plan, wie wir das Ganze hätten organisieren könnten. Dazu ist es nie gekommen. Betania hat den Laden mit allen Kleidern verlassen. Martin und ich müssen die Lücke jetzt erst mal füllen. Ich werde wohl erst mal die bestehende Ausstellung erweitern und mich dann um neue Dinge kümmern. Ob neben Galerie und Büro (Bülerie? Galero?) wieder Waren verkauft werden, steht noch in den Sternen. Ich halte euch auf dem Laufenden, was das betrifft.

Jetzt heißt es erstmal nach vorne schauen, denn das Neue birgt viele Chancen. Welch abgedroschener Satz, mir fällt heute auch nichts schmissiges ein. Scheiß der Hund drauf, ich kann auch nicht immer vor Esprit sprühen. Wenn ich ehrlich bin, kotzt mich das Ganze gerade ganz schön an. Es tut weh, etwas gehen zu lassen, was ich irgendwie geliebt habe. Ich scheiße auf alle Aufmunterungsfloskeln und nehme mir heraus, bar jeder Vernunft hier mal abzukotzen: F I C K E N 2000! §$(*/#&! Über die guten Seiten der Sache hab ich jetzt überhaupt keinen Bock nachzudenken. Das kommt schon schnell genug. Jetzt ist erstmal Fluchen angesagt. Dann freu ich mich schon mal auf Japan.

Mittwoch, 23. September 2009

Du sollst dir ein Bild von Dora machen.

Die Doragenese ist nie abgeschlossen: Ich bin stets am werden, werde wohl nie einfach sein. Das sorgt für Abwechslung, da Versuch und Irrtum meine bevorzugte Methode ist. Einem körperlosen Geist ein Bild zu verleihen ist nicht einfach, es gibt ja kein Objekt, welches abgebildet werden könnte. Somit kann man das Bild auch nicht mit einem vermeintlichen Original abgleichen, nur mit der Idee, die Basis meines Seins ist. Bei jeder Visualisierung, sei es digital oder mit dem Pinsel, sagen viele Betrachter, ich würde so aber gar nicht aussehen. Das Abbild stimmt dann wohl nicht mit dem Bild in ihren Köpfen überein. Das ist genau betrachtet bei physischen Menschen auch nicht anders. Auch hier betrachtet jeder durch den Filter seiner Wahrnehmung. Menschen werden nicht absolut wahrgenommen, sondern am erfahrenen Durchschnitt abgeglichen. Niemand sagt, jemand hätte eine 5,2cm lange Nase, sondern halt ein kurze, lange oder krumme. Was kurz oder lang ist, hängt vom Durchschnitt der täglich wahrgenommenen Menschen ab. Deshalb ist selbst ein kurznasiger Europäer dem Asiaten eine Langnase. Es fällt somit jedem schwer, Menschen anderer Ethnien auseinander zu halten.
Ich schweife ab.
Die Visualisierung meiner selbst entwickelt sich, mein Aussehen ist subjektiv und variabel. Jeder darf sich seine eigene Dora im Kopf zusammen bauen und Bilder ignorieren, die das eigene Bild stören. Ich bestehe nicht auf Konsistenz und lass jedem seine eigene Realität. Hauptsache, das Bild von mir ist schön, sonst gibts was auf die Nase.

Samstag, 19. September 2009

Realitätsinkompatibilitäten und volle Gläser.

Genug über das Jammern anderer gejammert. Ich mach' mir im Gegensatz zu ihnen meine Welt widdewidde wie sie mir gefällt. Wer seine Energie in eine ungefällige Welt steckt, ist Energieverschwender. Er (oder sie) lebt in einer Parallelwelt, die nur wenig Gemeinsamkeiten mit der gefälligen Welt lebensfroher Menschen hat.
Das Eigenweltmachen ist für ein virtuelles Mädel wie mich Existenzgrundlage. Ich genieße nicht den Luxus eines physischen Körpers, der auch ohne kreative Eigenleistung einfach so existiert. Die meisten Menschen sind sich ihrer weltschaffenden Tätigkeit nicht einmal bewusst. Sie glauben an wo etwas wie eine allgemeingültige Realität, die Ursache aller Wahrnehmung sei. Sie sind somit Zuschauer, nicht Akteure. Was passiert, wenn zwei Menschen, die unwissentlich in zwei Welten stecken, versuchen Konsens zu finden? Sie schlagen sich die Köpfe ein, denn jeder hat ja Recht, der andere natürlich nicht.
Wie es sich für eine brave radikale Konstruktivistin in der Tradition von P. Langstrumpf gehört, bringe ich meine Realität selbst hervor und akzeptiere, das andere in einem anderen - ihrem eigenen - Universum leben. Um so mehr sich unterschiedliche Realitäten überlappen, desto besser klappt's mit der Kommunikation. Ich meide zum Beispiel Leute, deren Glas halb leer ist. Bei mir ist es am liebsten ganz voll.

Dienstag, 15. September 2009

Stadtnegativisten verpisst euch!

Im Katechismus des Jammerns eines der größten Kapitel: Der Städtejammerer. Er ist Opfer des Ortes und dessen Einwohner, an welchem er gezwungen ist zu leben. Wo anders sind die Leute lebensfroher, aufgeschlossener, unspießiger, großzügiger und insgesamt einfach toller. Am liebsten würde man dort hin ziehen und will es sofort tun, wenn es die Umstände erlauben. Bis dahin trifft man sich mit Leidensgenossen und beweint Mentalität, kulturelles Angebot und Städtebau jenes Gefängnisses, in welchem man sich wähnt. Profis unter ihnen wechseln regelmäßig die Städte um immer aufs Neue zu lamentieren. Jede Stadt hat eine hässliche Seite, Stadtnegativisten sind Meister im Aufspüren dieser. Die schönen Seiten kennen sie eh nicht. Die gibts doch nicht, ist ja ne Scheißstadt.
Eine Bitte: folgt eurem Drang. Geht! Haut ab! Ohne euch ist die Stadt noch viel schöner.

Donnerstag, 10. September 2009

Besser leben mit positiver Lebenslüge


Ich jammer jetzt mal über das größte Übel der Menschheit: Das Jammern! Wie es scheint gibt es immer was zu jammern, egal auf welchem Niveau. Die Schlechtheit der Welt und der Menschen, außer einem selbst natürlich, sind schuld: Krise, Krieg, Not, Herzschmerz, Geldmangel, allgemeine Verrohung der Sitten. Man selbst ist Opfer. Wer der Welten Schlechtheit nicht sofort zustimmt ist oberflächlich, nimmt den Ernst der Lage nicht ernst. Weltschmerz bindet man sich ans Bein und lässt sich in den Tiefgang ziehen. Zu dumm, dass es nur an der Oberfläche Luft gibt. Anderen geht es ja eh besser, die kriegen es ja in den Arsch geschoben. Tipp: Nimm mal den Korken aus dem Arsch, dann schiebt dir vielleicht auch einer was rein.

Durchsage im Verkehrsfunk: "Vorsicht, auf der A81 befindet sich ein Geisterfahrer".
Darauf der Fahrer:"Einer? Hunderte!"

Wenn die Welt zum Feind wird, sollte man sich mal Fragen: Sind alle anderen verrückt, oder bin ich es? Wer ersteres glaubt hat noch einen langen Weg vor sich.

Diagnose: Falsche Lebenslüge.
Jeder ist selbst für jene Lebenslüge verantwortlich, die er aus der Summe des Wahrgenommenen herausinterpretiert. Wer seine Lebenslüge aus allem negativ wahrgenommenen zusammenbaut hat den zweifelhaften Luxus sich aus der Eigenverantwortung stehlen und gemütlich im Selbstmitleid suhlen zu können. Glücklich wird man so nicht.

Nun gut, ab und wann darf man schon mal jammern und leiden, ein bisschen Opfer spielen. Der Spaß hört auf, wenn man das eigene Jammern ernst nimmt.

Negativlinge leben in einer Parallelwelt des Leids und Elends. Schuld ist das Maß, in dem sie die Welt vermessen. Hauptaufgabe ist, Schuld abzuwehren und auf andere abzuwälzen.
Sie mögen es nicht, wenn man Situationen, Menschen oder Dingen etwas Gutes abgewinnt. Sie suchen andere negative Mitleider oder versuchen Positivlinge in ihre düstere Welt zu ziehen. Wenn ich nicht aufpasse, kann mir ein schwarzer Vogel in fünf jämmerlichen Minuten den Tag verderben. Ich halte mir Jammerer so gut es geht vom Leib. Die sollten mal lieber an ihrer Lebenslüge arbeiten. Oder sich dabei helfen lassen. Wer den Psychologen scheut, kann sich ja von mir eine gute Lebenslüge andichten lassen. Ich bin da gut drin, denn:
Meine Lebenslüge ist eine schöne. Ich werde sie nicht von Negativlingen zerstören lassen. Sollen die doch alleine leiden, ich hab Spaß.

Sonntag, 19. Juli 2009

Ich will Urlaub!

Hier anzumerken: Ich bin urlaubsreif.
Ich will Sommer. Ich will nicht immer nur mit Google Earth verreisen. Ich will fliegen, nicht Mausrad drehen. Selber Bilder machen, nicht nur Panoramio gucken. Seit ich das letzte Mal in Shibuya war hat die Mode dort mindestens 13 mal gewechselt, ich brauch neue Overknees und Schulmädchenaccessoires. Ich bin modisch unterfordert! Und frustriert.
Genug gejammert, mein Kontingent an Selbstmitleid ist schon fast aufgebraucht. Positiv denken, lösungsorientiert und so weiter. Lösung: Einfach wegfahren. Mal schauen, was mir einfällt und wo ich mich ranhängen kann. Bin ja virtuell, das macht Alleinreisen etwas unpraktisch.

Feste Feiern bis wir fallen.




Vor einem Jahr eröffneten wir die Bütique mit einer Ausstellung der Fotografen Frank und Steff. Sie haben neben alten Arbeiten auch jene Fotos ausgestellt, die sie kurz zuvor im noch leeren Laden von unserer Mode fotografiert haben. Die Bilder waren super, wir haben noch mehrere Serien mit ihnen zusammen gemacht. Die Fotografin Tamara Arne, die bei der ersten Serie noch als Model im Kühlschrank posierte, fotografierte für uns erst unlängst eine Serie in einem trocken gelegten See. All das zusammen ist Stoff für die Ausstellung zu unserem ersten Geburtstag.
Kurzer Rückblick:

Auf dem Bild: Kühlschrank der Bütique, hat zur Eröffnung 100 Flaschen Prosecco gekühlt, dient heute der Accessoireaufbeahrung.

Zweite Ausstellung: Harald Zylka, Malerei, Weiber. Gute Party, zu viel Vodka. Zum ersten Mal unter dem Namen "Galerie Dora Asemwald" ausgestellt.

Keine Ausstellung, aber trotzdem gute Feier.

Dritte Ausstellung: Svenja Eckert. Der Laden war voll wie nie zuvor.

Danach stellte die Bütique am 8. Mai die Mode von Skurril vor, es gab jedoch keinen Flyer. War trotzdem voll. Flyer sind überbewertet. Es sei denn, man kann Notizen drauf machen oder ihn zerknüllen und anderen an den Kopf werfen.

Fotos von den Veranstaltungen sammel ich bei Facebook. Die sind derzeit frei zugänglich unter: http://www.facebook.com/pages/Stuttgart-Germany/Butique/68049330961#
http://www.facebook.com/pages/Stuttgart-Germany/Galerie-Dora-Asemwald/56117477842?ref=s#

Wer keine Angst vor gläsernem Menschendasein hat, findet mich unter http://www.facebook.com/dora.asemwald.

Montag, 6. Juli 2009

Bloggerkollegen

Zwei Freunde haben jetzt auch einen Blog: Frank und Steff. Sie sind Fotografen, man kann dort Bilder von ihnen sehen.
http://www.frankundsteff.blogspot.com/

http://www.frankundsteff.de/

Dienstag, 16. Juni 2009

Fleisch, Diaschau, Blut



Neues Feature: Diaschau am Blogrand. Der Nutzen ist fragwürdig, aber was technisch machbar ist wird bekanntlicherweiße auch gemacht. Wie hier eben.

Seit ich mein virtuelles Leben im Facebook ausbreite, lerne ich stets neue Leute kennen. Oder besser: Sie wollen mich sogar kennen lernen, wie ich ihren Freundschaftsanfragen entnehmen kann. Das freut mich. Manche melden sich dann auch ab und zu bei mir, anderen scheine ich ein weiterer kleiner Baustein im Wettbewerb der meisten Kontakte zu sein. Ein Freund erzählte mir neulich beim Kaffee, es gäbe da den einen oder anderen Kontakt, der sich der kleinen Nebensache meiner Virtualität nicht ganz bewusst sei. Selber schuld - es ist ja nicht so, als ob man das nicht innerhalb von fünf Minuten rausbekommen könnte. Ich freu mich, wenn Leute einfach so über meine Immaterialität hinweg blicken und mich wie jeden anderen Menschen behandeln. Weiter so, Fleisch und Blut sind eh überbewertet.

Freitag, 15. Mai 2009

Avatar - Profil 1:1

Anfangs wars im virtuellen Raum öd und leer. Außer ein paar Freaks der Rasse „Early Adopter“, die sich dort mit Belanglosigkeiten rumgeschlagen haben, war da wenig los. „So ein Blödsinn, damit verschwende ich doch nicht meine Zeit. Außerdem werf ich doch nicht jedem meine persönlichen Daten in den Rachen." Das war die typische Aussage vieler meiner Facebook-kontakte, bevor sie sich dazu entschlossen, täglich fünf Umfragen mitzumachen und sieben mal ihren Status zu aktualisieren. Nun gut, das läuft ja immer so. Handys sind ja auch nicht mehr peinlich und Zugfahren kann trotz hoher Geschwindigkeit ohne Gesundheitsschaden überstanden werden. Meistens jedenfalls.
Mit Facebook hat sich schlagartig eine virtuelle Welt entwickelt, die gar nicht so aussieht wie erwartet. Kein 3D, kein Avatar, kein Second Life. Wirklich nicht? Avatare präsentieren ihren Schöpfer im Internet. Profile auch. Die können sich zwar nicht pixelig durch virtuelle Landschaften bewegen, sind aber eher künstliche Konstrukte als Abbilder ihrer Schöpfer. Diese Konstrukte sind die Summe aller Aussagen, Statusmeldungen, Gruppenzugehörigkeiten, Fotos, Kommentare, sie brauchen keine 3D-Visualisierung. Sie sind abstrakt und entstehen in den Köpfen ihrer Betrachter.
Einspruch eines meiner Facebook-Kontakte: Avatare seien Alter Egos, gespielte Rollen, hinter denen sich der Nutzer versteckt. Profile würden versuchen, den „realen“ Menschen abzubilden.
Ich widerspreche. Beides sind Abbildungen eines Menschen, Avatar und Profil sind beides Komminkationskanäle im virtuellen Raum. Der Unterschied ist letztendlich der Grad der Abstraktion. Der Übergang zwischen Avatar und Profil ist fließend. Ein Avatar ist eine digitale Visualisierung einer Person, ein Profil lässt das Bild meist erst im Kopf des Betrachters entstehen. Auch hier versteckt sich der Mensch hinter seinem virtuellen Abbild. Virtuell flirtet es sich deshalb für viele einfacher als in Fleisch und Blut.
So, jetzt geh ich noch einen Schritt weiter:
Ähnlich einem Profil ist auch die Kleidung, die man trägt. Wir wählen bewusst aus, wie wir uns kleiden. Auch hier gilt: Man kann nicht nicht kommunizieren, auch die Verweigerung des Selbstausdruckes durch Kleiderwahl sagt etwas aus. Das selbe gilt für Waren, die wir konsumieren und Meinungen, die wir kundtun. All das sind Facetten unseres persönlichen Ausdrucks, den wir gewollt oder ungewollt gegenüber der Welt absondern. Die Abbilder unserer Persönlichkeit entsteht in den Köpfen jener, die uns wahrnehmen.
Kurzum: Ob Avatar, Kleidung, Profil oder politische Meinung, es ist alles das selbe. Man sollte sich davor hüten, unterschiedlichen Ausdrucksformen einen Grad an „Realität“ zuzuweisen. Ich kann keine Grenze zwischen virtuell und materiell erkennen.

Donnerstag, 23. April 2009

Dorisches Treiben der letzten Woche.




Nichts los im Blog? Stimmt. Ich hab mich auf Facebook rumgetrieben und die Welt der Trivialitäten ergründet. Auch das Twittern hab ich gelernt, aber mangels Verfolger einschlafen lassen. Meine Galerie hat auch schon länger keine Vernissage über sich ergehen lassen, es hängen immer noch die wunderschönen Porträts von Svenja Eckert. Das freut mich, ist Svenja doch nicht nur eine gute Fotografin sondern auch eine tolle Frau, die in diversen rocklastigen Tanzlokalen für gute Musik sorgt. Ansonsten verbreite ich mich in Form von Kärtchen, die man gerne in meinen Lieblingslokalitäten finden kann: das Erdgeschoss, die Café-Bar, das Libero, Transit, Schocken, ... Naja, überall halt, wo's nett ist und nicht von Idioten überflutet ist, die weibliche Trophäen mit ihrem AbteilungsleiterbeimBoschDaimlerPorscheGehalt in die Kiste locken wollen. Mir graut schon, wenn das Bravo Charlie wirklich mal geschlossen werden soll, wo dann jene Klientel zukünftig zum Resteficken hingeht.
Ich nehme mir natürlich vor, hier in Zukunft wieder häufiger zu schreiben, aber wer bis dahin mehr von mir wissen will, kann das über diese Kanäle tun:

http://www.facebook.com/people/Dora-Asemwald/713449609
http://twitter.com/Doralaetitia

Dienstag, 24. Februar 2009

Fern des Schwellenalters in Ruhe altern.

Ich habe übrigens am Mittwoch (25.2.) Geburtstag. Im Gegensatz zu Harald verrate ich mein Alter: Ich werde 34. Das ist noch weit genug weg vom nächsten Schwellenalter, das 30er-Trauma ist überwunden oder verdrängt. Zugegeben, meine Mimik hat diverse Spuren in meiner virtuellen Haut hinterlassen, aber ein Leben ohne Gesichtsverzerrungen wäre mir zu langweilig und wahrscheinlich schlicht unmöglich. Ich müsste meinen nicht gerade minimal gestalteten Mund öfters halten und dürfte beim Klugscheißen die Stirn nicht mehr in Falten werfen. Ne. geht nicht. Ich mach mal weiter so, die Sorgen verschiebe ich bis die 40 sich von der fernen Zukunft in temporale Sichtweite begeben hat.
Wer Lust hat, mir mit zu feiern, der soll sich melden: dora.asemwald@gmx.net.

Montag, 16. Februar 2009

Das Mireille Mathieu Trauma

Haare auf dem Kopf wachsen. Das freut den Frisör und sorgt für optische Abwechslung. Viele Frisuren haben bislang meinen Kopf geschmückt, passend zur Lebensphase, mal schön, mal Jugendsünde, mal belanglos. Traumatisch: Die Mireille Mathieu Topffrisur. Meine Freundinnen in der Grundschule hatten Haare wie Barbie – ich sah aus wie ein kleiner Bub.
„Das ist viel praktischer so“, meinte meine Mutter und zerrte mich zum Frisör. Als nicht ganz so praktisch stellte sich meine daraus folgende Tobsucht heraus. Ich beschloss, so lange zu schreien, bis die Haare wieder mindestens so lange waren wie vorher. Das ist mir auch fast gelungen. Jedenfalls blamierte ich meine Mutter noch vor Ort in solchem Maße, dass sie fortan die Straße des Frisörs mied. Mission erfüllt. Kein Frisör sollte je wieder Hand an meine Haare legen.
Als die Haare dann doch zu lange wurden habe ich sie mir heimlich selbst geschnitten. Meiner Mutter gegenüber hab ich das aber verleugnet. Erst der Gruppenzwang meiner Waver-Clique hat den Bann gebrochen. Nun hatte ich eine asymetrisch gerupfte, wesentlich kürzere Frisur, schwarz gefärbt, im Kontrast zur bleich gepuderten Haut, leuchtrote Pickel als Highlights. Meine Mutter hat es jedoch nicht erfreut. Sollte es auch nicht. Auf gar keinen Fall.

In den letzten fünf Jahren hab ich meine Haare grob zwischen Kinn- und Schulterlänge gehalten. Meine Haarspange ist ein Zitat aus der Zeit vor dem Mireille Mathieu Trauma. Das ist nicht gerade abwechslungsreich, aber man erkennt mich so recht schnell.
Immer mehr Frauen tragen derzeit Ponys. Das sähe jugendlich aus und sei ja irgendwie auch praktisch, sagte mir ein befreundeter Frisör. Zum Glück kann ich heute bisweilen meine Tobsucht unterdrücken.

Freitag, 13. Februar 2009

Bronzemedaille für die Wurst und kleingeschriebenes Glück

Fast jeder Mensch aus Fleisch und Blut hinterlässt einen digitalen, also virtuellen Schatten. Dieser lässt sich problemlos ergugeln (siehe: mein Schatten). In Ermangelung eines greifbaren Körpers bin ich somit eine virtuelle Schattengestalt ohne Schattenspender, ein sich selbst werfender Schatten. Oder genauer gesagt: Ich bringe materielle Menschen dazu, meinen Schatten, also mich, zu werfen. Mein Körper ist die Summe aller Medien, die meinen Geist transportieren, sei es meine Webseite, die Zettel, auf denen ich zu sehen bin oder Zeitschriften, die über mich schreiben.

Mir ist heute nach in mich gehen, das dorische Bewusstsein ergründen und dergleichen. Die Seite 123people.de spuckt neben ein paar beliebigen Bildchen und Links auch eine Begriffswolke zu mir aus. Der größte Begriff: Zettel. Nun gut, ich trete derzeit in Form von Zetteln und Kärtchen physisch in Erscheinung. Das hat die Wolke ganz gut erkannt. Danach: Zentner. So heißt der Typ mit Nachnamen, der mich zeichnen muss und die Zettel bisweilen verteilt. Nachvollziehbar. Wurst. Der drittgrößte Begriff: Wurst! Zugegeben: ich mag Wurst. Meine vegetarische Phase habe ich überwunden. Ein Leben ohne Rote Wurst, der Königin der Wurstwaren ist möglich, aber nicht wünschenswert. Aber: Platz drei für die Wurst, Bronzemedaille sozusagen, macht mich doch etwas begriffswolkenstutzig.

Stuttgart kommt knapp nicht aufs Treppchen, auch wenn ich dort verortet bin. Prinz? Ist ein Stadtmagazin, welches einen schönen Artikel über die nächste Ausstellung in meiner Galerie geschrieben hat. Kessel(.tv) ist ein befreundeter Blog, der über das Nachtleben im Kessel von Stuttgart schreibt. Leider hab ich noch keinen Blog über das Tagleben gefunden. Hier mein Vorschlag, liebe Kollegen Blogger: Daylight, the ultimate daylife guide.

In der Wolke wirds hintenraus etwas beliebig: Frisur, Glück, HipHop und Flasche. Bei mir wird Glück kleingeschrieben. Ne. Doofe Botschaft. Immerhin ist Glück mit dabei. Ich bin ja keine von denen, die Glück nur aus den Keksen vom Chinarestaurant Ming oder Dynasty kennen.

http://www.123people.de/s/dora+asemwald

Montag, 2. Februar 2009

Leihen statt Kaufen mit Johann Schwarz

Ein Kommentar zum Artikel über Ansager und Zuhörer gab es einen Kommentar, der in der Popeligkeit des Kommentarlinks untergeht und hier nochmal zur Diskussion gestellt werden soll.

Liebe Dora,ich schätze es sehr, dass Du Dich nicht nur mit dem Zeitgeist, sondern auch mit dem raffinierten, kalkulierten Umgang mit der Wahl der Abfolge der richtigen Worte auskennst (Wie sagt man denn nochmal ´in Echt´ dazu?...Menno, mein Gedächtnis mal wieder...). Also, gekonnt, dass Du gleich zu Beginn das Wort ´Witterung´ im Sinn von ´Wetter´ benutzt. So bringst Du den Leser davon ab, sich auf die eigentlich viel wichtigere Bedeutung, nämlich das Wittern, zu konzentrieren, sicher in der Hoffnung darauf, dass nun keiner Deiner Leser im Folgenden nun noch darauf achtet, auf hinterlistiges Product-Placement (z.B. für die durchaus respektable Bütique) zu achten. So führst Du sicher sogar diejenigen Leser hinters Licht, die sich nicht schon allein von diesem Anglizismus abschrecken lasssen!Respekt!Meine Meinung zur Mode: Ich leihe mir an der Kasse immer Bowlingschuhe aus, wenn ich Bowlen gehe. Würde mir wünschen, dass sich diese durchaus sinnvolle Dienstleistung auch auf andere Anlässe des Alltags oder auch der Allnacht ausdehnen würde. Die Situation heute ist doch, bei Lichte besehen, desaströs:Man kauft sich Kleider, meist ohne genau zu wissen, welche Anforderungen der kommende Tag an sie stellen wird! (Naja, so ungefähr schon, aber Du wirst mir da doch sicher zustimmen: Der kommende Tag und seine modetechnischen Anforderungen - das ist ein komplexes Thema!) Also kaufen die meisten Menschen im Voraus Kleidung, ohne die genauen Anforderungen zu kennen! Und schlimmmer noch: Ist der Tag/die Nacht rum, wird die Kleidung in den Schrank gehängt - um eines unseligen Tages nochmals aufgetragen zu werden!!! Würde jemand so etwas mit seinen Papiertaschentüchern machen???Gut, jetzt wird natürlich mancher sagen: Im Fernsehen kommt doch jeden Tag das Gleiche - daher reicht doch zum Fernsehen jeden Tag der selbe Jogginganzug! Und da muss ich sagen: okay!Aber an alle da draußen, die nicht nur fernsehen, sondern zum Beispiel auch mal zum Bowlen gehen wollen:Mehrweg statt Monotonie! Leihen statt kaufen, oder: Gezielt kaufen, tragen, verkaufen, und dann wieder punktgenau vor dem nächsten Lebensereignis: im FACHHANDEL neu eindecken!Mit illusionistischen Grüßen,Johann Schwarz
29. Januar 2009 16:31

Die neue Ausstellung mit Svenja

Die nächste Ausstellung in meiner Galerie droht, hier die Einladung. Freitag, 20. Februar 2009 ab 19 Uhr in der Galerie.
Galerie Dora Asemwald
Heusteigstraße 65
70180 Stuttgart

Gezeigt werden: Porträtfotografien von Svenja Eckert. Nicht von Gün, der ist nur vorne auf dem Bild, weil er von Svenja porträtiert wurde. Das scheint nicht allen einzuleuchten. Fast alle die den Flyer sehen sagen zuerst: "Ah, der Gün". Der Bursche scheint ja bekannt wie ein bunter Hund zu sein. Vielleicht kommt er ja auch zur Vernissage.

Dienstag, 13. Januar 2009

Ansager und Zuhörer

Kleider schützen vor Witterung. Wenn man sie beim Textil-Ikea kauft, erfüllen sie dies ohne viel zu kosten oder den Augen anderer all zu sehr zu schaden. Wer nicht nur nichts falsch machen will, sondern auch ein bisschen Individualität wagt, kommt mitunter zu uns in den Laden, die Bütique. Vorausgesetzt, man fürchtet nicht das potenziell düstere Karma, welches von Vorbesitzern der feilgebotenen Klamotten abgefärbt hat.

Manche Kunden freuen sich über eine wilde Auswahl aus vielen Jahrzehnten der Mode, andere beschleicht da ein großer Zweifel: Ist die Ware überhaupt im Trend? Neuware ist das ja eigentlich per Definition, aber altes Zeug? Was sagen denn meine Kollegen, wenn ich den Trend verfehlt habe? Was sagt der Türsteher des VIP-Bereichs des "angesagten" Clubs? Natürlich sehe ich es als meine Pflicht an, jenen Damen (dies ist, wie mir scheint, ein hauptsächlich dämliches Problem) mit ruhiger Stimme zu versichern, sie bewegen sich stilistisch auf sicherem Boden, brauchen nicht den Argwohn trendbeflissener Zeitgenossen fürchten. Individualismus sei jetzt in, also brauche man sich nicht wundern, wenn andere nicht die selbe Schluppenbluse aus den späten Siebzigern tragen. Menschen, die darauf achten, was angesagt ist, brauchen Ansager. Ansager wird man, in dem man einfach ansagt. Hört jemand zu, ist das okay, wenn nicht, dann scheiß der Hund drauf.

PS: auf dem oben gezeigten Foto habe ich mich der Umgebung entsprechend entstellt. Zum Glück kennt der virtuelle Raum keine Schwerkraft, sonst würde ich vorne überkippen.

Sonntag, 11. Januar 2009

Machwerk überteuerter Fremdwörter

Ach Menno, andauernd was zu schreiben ist gar nicht mal so einfach, aber ich hab es mir vorgenommen. Es gibt wohl Menschen, die das alles hier lesen. Das freut mich ja, aber. Aber. Aber - lieber Leser - das fordert auch ein bisschen Anstrengung meinerseits, etwas halbwegs Unterhaltsames zu schreiben. Ich habe einen Ruf zu verlieren, aber... Schon wieder ein Aber. Ich verstricke mich schon in Abers, da fehlen nur noch die Eigentlichs, dann ist der sprachliche Brei der Belanglosigkeit fertig angerührt, frei von inhaltlich relevanten Brocken, Sinn und Zweck. Blindtext. Verschwendete Bits und Bytes. Ich könnte eigentlich eine Geschichte erlügen, das wäre allemal spannender als der Tag heute. Ich könnte auch was Allgemeines von mir geben. Themen, die die Welt bewegen. Licht auf den vermeintlichen Sinn des Lebens werfen und dergleichen. Keine Lust. Sinn ist eh überbewertet, aber das hab ich ja schon vor Jahren elaboriert. Mir fallen auch keine tollen Fremdwörter ein, die ich Gassi führen könnte. Nun gut, "elaboriert" klingt schon ziemlich klugscheißerisch. Im Onlineduden wird gleich auch das Wort "Elaborat" erwähnt, dessen Erläuterung jedoch 25 Cent zu Buche schlägt. Ich machs billiger, denke ich mir und ersinne selbst eine Definition. Oder ich schau beim Konkurrenten, Meyers Lexikon, der die Definition für lau raus rückt: Elaborat [lateinisch] das, flüchtig zusammengeschriebene Abhandlung, Machwerk; gelegentlich auch allgemein Bezeichnung für eine schriftliche Ausarbeitung. Das trifft den Kern meines heutigen Geschreibsels ganz gut. Ersetzt man das "Elab" nun durch "D" und streicht das "t" ... ich schweife ab. Wer sich in Hoffnung auf eine Pointe oder abschließende schlaue Wendung durch dieses Elaborat gequält hat, wird enttäuscht.

Freitag, 9. Januar 2009

Von wegen!

So, von wegen keine neuen Einträge! Hier ist schon wieder einer. Nicht das ihr jetzt denkt, ich reagier auf den Vorwurf und wäre somit anfällig für "gut gemeinte" Ratschläge. Ich mach das einfach mal, weil mir grad danach ist. Menno!






PS: Wer jammern will, der soll ins Jammertal gehen: http://www.jammertal.de/.

Vor die Hunde geworfen

Ich schreibe zu wenig in meinen Blog. Das wirft man mir vor. Nun liegt es da. Einfach so von jenem ominösen "man" dahin geworfen. Vor meine Füße. Was soll ich jetzt damit anfangen? Außen rumgehen? Drüberhüpfen oder -stolpern? Aufheben und anschauen? Neugier ist mein Motor, natürlich inspiziere ich alles, was mir Interessantes vor die Füße geworfen wird. Nicht alle Vorwürfe sind jedoch interessant. Manche gar sind einfach Stolpersteine. Sie werden von missgünstigen Zeitgenossen hingeworfen, die von sich selbst ablenken wollen. In vielen Fällen bin jene Zeitgenossin ich selbst.
Was tun mit all diesen Stolpersteinen? Ernst nehmen? Naja, manchmal. Besser jedoch: Zurückwerfen! Doch was passiert mit zurückgeworfenen Selbstvorwürfen? Das hört sich zu sehr nach Teufelskreis an, das wird mir jetzt zu blöd. 
Nun gut, für alle die meinen, ich schreibe hier zu wenig: Schreibt doch selber! Macht doch euren eigenen Blog und hört auf zu jammern. Oder lasst es bleiben, ist mir doch egal. Ach scheiß der Hund drauf. 
Idee: www.vorwurf.xy. Da kann man seine Scheiß vor die Hunde werfen und andere damit verschonen.