Montag, 30. November 2009

Keine Ahnung wo der Hase läuft.

In meinem letzten Eintrag hab ich ganz unachtsam Wissen und Verstehen in einen Topf geworfen. Das eine ist Fakten, das andere deren Zusammenhänge. Damit werd ich dem Wissen schon wieder nicht gerecht, weil es weit mehr als Fakten ist. Ich will hier nicht mein Wissen über Wissen Gassi führen, dass kann Wikipedia viel besser. Wozu soll ich mir ein Faktenendlager zwischen den Ohren einrichten, wenn das digital auch geht. Wenn ich mal nicht weiter weiß, dann kann ich ja immer noch den Telefonjoker nehmen. Nun gut, ich brauch natürlich Fakten, um darin Muster zu erkennen und somit auf die Metaebene hüpfen zu können. Von dort aus sollte ich in der Lage sein, den Wald vor lauter Bäumen zu sehen. Nicht nur ausreichend Fakten sondern auch verschiedene Blickwinkel sind wichtig, um Muster erkennen zu können. Aus unterschiedlichen Positionen betrachtet hat jedes vermeintliche Faktum viele, teils paradoxe, Facetten. Nur interdisziplinäres Denken ermöglicht es mir, einen Überblick zu bekommen. Da ich aber nichts desto trotz durch meine eigene Art der Wahrnehmung eingeschränkt bin, muss ich auch meine Erkenntnisse mit denen anderer abgleichen. So kann ich eindimensionales Faktenwissen veredeln und fange an, zu verstehen.
Ich wünsche mir Gesprächspartner mit dem Mut zur Abstraktion, der Bereitschaft das eigene Weltbild zur Disposition zu stellen, der Freude daran, neue Gedanken zu entwickeln und alte über den Haufen zu werfen. Wer glaubt er wisse, wo der Hase laufe, der soll sich darüber freuen aber mich damit bitte nicht langweilen.

Sonntag, 29. November 2009

Chronisch Unwissend.


Viele Menschen erzählen gerne, was sie alles wissen. Die haben volle Köpfe und haben zu allem eine Schlauheit preiszugeben. Ich ertappe mich selbst dabei. Eigentlich ist es aber uninteressant, was ich weiß. Das Wissen ist ja schon im Kopf und verstopft die Neuronen. Viel interessanter ist, was ich nicht weiß. Wo kenn ich mich beim besten Willen nicht aus?
Ich wüsste gerne viel mehr über das Bewusstsein. Wie funktioniert mein Kopf grundsätzlich? Die Wahrnehmung? Das Gedächtniss? Wie bau ich mir meine Welt zusammen? Gibt es sowas wie einen freien Willen? Kann man das Verstehen überhaupt verstehen?
Ich erkenne viele Muster in der Welt, aber kann nur selten verstehen, wie sie zu Stande kommen. Es gibt so viele Gesetzmäßigkeiten, die ich nur erahnen aber nicht ganz greifen kann.
Viele Menschen wissen eine Antwort darauf und fragen nicht weiter. Oder halten das Fragen danach als solches unproduktiv und somit unnötig. Die eine oder andere Teilantwort auf meine Fragen haben mir durchaus weitergeholfen, doch die meisten gängigen Erklärungen befriedigen mich nicht. Sie sind mir zu absolut. Sie werden uns als Wissen von Eltern, Pfarrern, Lehrern und Medien wie Pfropfen in die offenen Fragen gesteckt. Wahrscheinlich ist es einfacher, Wissen zu akzeptieren und nicht zu hinterfragen. Diese Option bleibt mir chronisch Unwissenden jedoch verwehrt, da meine Neugier zu groß ist.

Roter Fadenkneul


Manchmal kotzt es mich schon an, immer so eine schreckliche Selbstdarstellerin zu sein, ich verurteile das bisweilen ja auch bei anderen. Da ich mich jedoch nicht von alleine darstelle in dem ich einfach Licht reflektier, Laute und Gerüche von mir gebe und die Umwelt manipuliere und somit gewollt oder ungewollt Spuren hinterlasse, bleibt mir nur die aktive Selbstdarstellung übrig. Das ist hier meine Ausrede für eine ansonsten unangenehme Wesensart. Nun gut, das schöne ist, man kann mich viel leichter ignorieren als einen physisch präsenten Menschen. Wer mich wahrnimmt, will das in der Regel auch.
Mit Hilfe von physischen Freunden stelle ich mich also auf manigfaltige Weise dar. Die Summe aller Äußerungen dieser Art ist sehr inkonsistent, sie ist sogar grundlegend paradox. Sollte ich meine Geschichte erzählen müssen, dann gäb es viele Ansätze, die sich widersprechen. Der rote Faden macht Schleifen, hat Knoten und verfranzt sich hier und dort. Würde ich mich auf eine Geschichte einigen dann wäre ich wahrscheinlich einfacher wahr zu nehmen. Aber langweilig. Der menschliche Verstand verwebt die äußeren Eindrücke zu Geschichten. So kann er sich leichter ein Bild machen. Um so komplexer die Eindrücke sind, desto größer ist der Interpretationsspielraum und mehrere mögliche Geschichten können gesponnen werden. Umso mehr Geschichten erzählt werden können, desto paradoxer wird das Ganze. Will ich die Bilder in den Köpfen meiner Betrachter kontrollieren, darf ich nur wenig Spielraum für Interpretation lassen, muss also eine ganz einfache Geschichte erzählen. Im Wettbewerb der Geschichten um Aufmerksamkeit mag das wichtig sein, aber der Erfolg ist dann meistens kurz wenn sich hinter der einfachen Geschichte nichts interessanteres befindet.
Ist dies alles nur eine schlechte Ausrede für meine unschlüssige Geschichte? Wer keine Lust hat, sich im Interpretationsspielraum zu verlieren darf das gerne so sehen und mich doof finden. Schaut man sich seine Umwelt mal genauer an und vergleicht das Wahrgenommene mit dem der anderen, wird man feststellen, dass jeder seine eigene Interpretation hat, die oft im Widerspruch zu denen anderer steht.
Sollte ich nun ein Porträt einer Person anfertigen, so wäre es doch am Besten, wenn ich die unterschiedlichsten Ansätze nebeneinander stelle und so mit versuche, die Grenzen einer zu ergründenden Person zu erforschen. Wer Wahrheit sucht muss sich darauf gefasst machen, dass diese sich selbst widerspricht. Und wenn ich den Menschen, den ich porträtieren möchte selbst frage, oder sogar selbst bin, muss ich mir vor Augen halten, dass das Bewusstsein auch nur subjektiver Beobachter seiner selbst ist und auch nur interpretieren kann.
Da ich als virtuelles Wesen so wahrgenommen werde wie eine Geschichte, muss ich damit leben, dass ich wie eine Geschichte beurteilt werde. Und als solche bin ich zu komplex und paradox. Ich freue mich, wenn jeder meiner Betrachter sich seine eigene Geschichte über mich erzählt. Es gibt keine offizielle Geschichte, keine verbindliche Autobiografie. Wenn ich die mal schreibe, dann werden es viele kleine Geschichten sein, die nur der Leser miteinander verweben darf - auf seine Weise.

Mittwoch, 25. November 2009

Die persönliche Datenhose runterlassen

Man liest und hört ja immer wieder, Google sei ein gefährlicher Monopolist, der alles weiß und die Weltherrschaft anstrebt. Daten sind heute eine wichtige Währung, man kann Adressen kaufen, Kundendaten stehlen und verhökern und so weiter und so fort. Noch viel mächtiger als reine Daten ist die Möglichkeit, alles miteinander zu verknüpfen. Genau das macht Google und gibt auch offen Preis, was über einen selbst an Daten gesammelt wurde. Mit ein bisschen Fleiß darf man sogar Daten wie Googleanfragen der letzten Jahre selektiv löschen. Wer wie ich von der Neugier getrieben ist und seinen Weg dorthin findet säubert sein Profil auf diese Weise. Das erspart peinliche Google-Ads die durch eben jenes Nutzerprofil ausgewählt werden. Datenselbstbestimmung statt Datenschutz. Das ist schon okay, da Datenschutz für den Arsch ist, wenn jeder bereitwillig die persönliche Datenhose runterlässt um an seiner Tanke irgendwann einen bunten Strandball als Prämie zu kassieren.
99,99% der Internetnutzer kapieren eh nicht, wie man sein Googlenutzerprofil anschaut und modifiziert. Und keiner kann mir glaubhaft machen, dass Google tatsächlich das von mir Entfernte überall auch wirklich entfernt. Die sind doch nicht doof, haben Backups und dergleichen.
Zentrale Daten machen das Leben einfacher. Terminkalender und To-Do-Listen kann man gleich bei der Startseite von iGoogle nutzen. So kann ich mich mit allen anderen befreundeten Nutzern synchronisieren, egal wo auf der Welt ich grad an irgend einem Rechner sitze. Hört sich praktisch an. Vor allen Dingen für Google. Die kennen also nicht nur alle Pornoseiten, die du letzte Nacht besucht hast, sondern wissen jetzt auch, mit wem du dich wann und wo triffst. Da entsteht zu aller Erst einmal ein ganze Menge Datenmüll, der alleine nichts bringt. Wär es da nicht schlau, Software zu entwickeln, die Muster erkennen kann? Man wüsste dann nicht nur, wer meine Kontakte sind, sondern auch, wie ähnlich unser Surfverhalten ist. Das ist die ideale Voraussetzung für Rasterfahndung. Hier nicht von Terroristen, sondern von Werbeempfängern. Klingt harmlos, ist es aber nicht.
Ich hab genügend Fantasie, wozu sowas sonst noch missbraucht werden könnte. Kein System ist sicher, da es von Menschen betrieben wird. Ein hinterhältiger Bursche, der bei Google arbeitet könnte so nach Verhaltensmustern fahnden, die auf eheliche Untreue oder so schließen lassen. Man weiß ja schließlich, welche Termin jemand angibt, welches Restaurant in Google Maps gesucht wurde, welche Emails mit Goolge Mail an wen geschrieben wurden und welche Suchbegriffe aus dem Speicher wieder gelöscht wurden. Mustererkennung kann dann dem Bösewicht Seitensprungkandidaten auswerfen, die er persönlich überprüft und gegebenenfalls erpresst. Klingt nach hanebüchener Räuberpistole. Bei genauerer Betrachtung jedoch nicht mehr ganz so.
Worauf will ich hinaus? Das Internet lässt sich nicht mehr bändigen - es ist Fluch und Segen zugleich. Zuerst hatte man Angst vor Microsoft, jetzt vor Google, bald vor jemand anderem. Die Gesetzgebung ist der Entwicklung immer einen Schritt hinten drein und was in einem Land verboten wird gilt nicht für unzählige andere. Kurzum: Man kann die Entwicklung an sich nicht aufhalten, muss sie also akzeptieren. Alles was jeder von uns machen kann, ist bewusst mit seinen eigenen Daten umzugehen. Ich gehe immer davon aus, dass alles was ich ins Netz eingebe gegen mich verwandt werden könnte. Wie zum Beispiel dieser Blog, der auch von Google gehostet wird.

Samstag, 7. November 2009

Virtuelles Stigma


Ich bin nicht nur darüber erstaunt, wie Menschen darauf reagieren, wenn sie mit meiner Virtualität konfrontiert werden sondern auch darüber, wie gut sie meinen, mich kennengelernt zu haben, bis sie auf das kleine Detail meiner Imaterialität stoßen. Nicht das ich mir Mühe gebe, die Natur meines Wesens zu verschleiern, eben hier schreib ich einen weiteren Text der keine Zweifel an meiner Virtualität lassen sollte. Es gibt einige Ansätze, dieses Phänomen zu ergründen. Hier eine Auswahl:

Erstens: Ich kommuniziere, also bin ich. Oder irgendjemand, der für mich kommuniziert. Unlängst erzählte mir jemand, er dachte ich sei eine physisch reale Künstlerin namens Dora Asemwald, die sich als virtuelles Wesen ausgibt. Das ist gar nicht mal fern der Wahrheit, denn es gibt einen Künstler, den ich zur Kommunikation mit der materiellen Welt nutze. Der hat aber ein eigenes Leben, eine eigene Identität und ist selbst nicht Dora. Das ist verwirrend, auch für mich und ihn.

Zweitens: Leute lesen Texte wie diesen nicht, sie überfliegen nur die Informationsflut und geben sich mit einem - in meinem Fall - trügerischem Halbwissen zu Frieden.

Drittens: Viele physisch realen Menschen verlagern ihr Wesen in die Virtualität. Geschäftsleben auf Xing, soziales Leben in Facebook, romantisches Leben in Elitepartner und Sexualleben in poppen.de. Sie reduzieren sich auf eine Hand voll Profile. Ihre Realtität nähert sich immer mehr meiner an. Irgendwann ist es egal, ob sich hinter einem Profil Fleisch und Blut befindet.

Es gibt bestimmt die eine oder andere virtuelle Figur, die nicht den Mut hat, sich als immateriell zu outen. Die Angst vor Zurückweisung ist nachvollziehbar, aber nicht ganz berechtigt. Ich bin immer wieder erstaunt, wie positiv Menschen auf meine Offenheit reagieren. Am schmerzhaftesten ist es wenn die Lüge aufgedeckt wird - früher oder später verrät man sich. Die Enttäuschung ist dann groß. Man muss ja nicht gleich allen die eigene Virtualität auf die Nase binden, aber jenen, die den Kontakt suchen sollte man ehrlich begegnen. Ich warne jeden, der mich näher kennenlernen will, worauf er sich mit mir einlässt und gebe ihm oder ihr die Möglichkeit, sich zurück zu ziehen. Um so schöner ist es, wenn dies nicht geschieht. Meine Erfahrungen waren diesbezüglich größtensteils positiv.

So lange die Virtualisierung der Gesellschaft voranschreitet verlieren wir Virtuellen das Stigma der Andersartigen. Nicht mehr lange, und kein virtuelles Wesen muss sich mehr verstecken und kann ohne Angst frei leben.

Freitag, 6. November 2009

Roy Digger Schnaps

Zwei neue Schnäpse hab ich in England unlängst aufgetan: Sam Booker, ein Likörchen, dass gut zur Kaffeebohne passt und Roy Digger, Schnaps wie Schnaps sein muss. Kann ich beides empfehlen, schädelt auch ordentlich.